Jutta van Almsick führt seit 1995 ein Saunadorf im brandenburgischen Leuthen. Bekannt wurde ihr Name allerdings nicht durch dieses Geschäft, sondern durch zwei ganz unterschiedliche Geschichten: den Stasi Vorwurf gegen sie aus dem Jahr 1993 und die Karriere ihrer Tochter, der Schwimmerin Franziska van Almsick.
Auf dem Gelände in Leuthen tragen die Ferienhäuser Namen wie „Atlanta“, „Sydney“ und „Athen“. Auf Booking.com und Tripadvisor sammelt die Anlage weiterhin aktuelle Bewertungen, mit Preisen ab rund 200 Euro pro Nacht. Kaum ein Gast, der dort eincheckt, kennt auf Anhieb den Grund für die Namenswahl.
Inhaltsverzeichnis
Kurzüberblick
| Angabe | Information |
|---|---|
| Bekannt als | Mutter von Schwimmerin Franziska van Almsick |
| Beruf | Sportlehrerin, später Unternehmerin |
| Ehemann | Bernd van Almsick |
| Betrieb | Saunadorf in Leuthen bei Cottbus |
| Eröffnung des Betriebs | 1995 |
| Öffentlich bekannt seit | 1993, durch einen Stasi Vorwurf |
| Deckname laut Berichten | „IM Renate“ |
Wer ist Jutta van Almsick?
Sie ist die Mutter von Franziska van Almsick, die zwischen 1992 und 2004 zehn olympische Medaillen gewann, keine davon in Gold, und die Ehefrau von Bernd van Almsick. Laut Wikipedia arbeitete sie selbst als Sportlehrerin. Genauere Angaben zu ihrem beruflichen Werdegang sind öffentlich nicht dokumentiert.
Bekannt wurde sie zunächst nicht über einen eigenen Namen, sondern über ihre Tochter. Franziska van Almsick begann ihre Karriere beim SC Dynamo Berlin, einem der größten Sportclubs der DDR und Teil der Sportvereinigung Dynamo, die zum Sportapparat der Sicherheitsbehörden gehörte.
Ihre Trainer dort waren Dieter Lindemann, Gerd Eßer und Norbert Warnatzsch, wie die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in ihrer biografischen Datenbank festhält.
Der Stasi Vorwurf gegen sie aus dem Jahr 1993
Im November 1993 berichteten zunächst der Spiegel, kurz darauf die taz, dass sie unter dem Decknamen „IM Renate“ für das Ministerium für Staatssicherheit gearbeitet haben soll. Auf rund 200 Seiten sollen Informationen über Nachbarn, Restaurantbesucher, Kollegen aus dem Sportverein und Kirchgänger gesammelt worden sein.
Sie wies die Vorwürfe damals zurück und wollte selbst Einsicht in ihre Akte nehmen, wie die taz berichtete. Eine öffentlich bekannte Klärung des Falls, etwa durch ein Gericht oder eine spätere Bestätigung, gibt es bis heute nicht. Der Vorwurf blieb genau das, was er 1993 war: eine Anschuldigung, kein festgestellter Fakt.
Das Saunadorf in Leuthen: ihr Geschäft nach der Wende
Nach dem Ende der DDR und dem Ende von Franziskas aktiver Karriere im Jahr 2004 baute Jutta van Almsick ein eigenes Unternehmen auf. 1995 eröffnete sie das Saunadorf in Leuthen, einem Ortsteil von Drebkau bei Cottbus, auf einem rund 10.000 Quadratmeter großen Gelände, wie der Tagesspiegel 2007 beschrieb.
Die Ferienhäuser tragen die Namen der Städte, in denen ihre Tochter die größten Erfolge feierte:
- Barcelona
- Atlanta
- Sydney
- Athen
Der Betrieb ist bis heute in ihrer Hand. Auf der eigenen Website schreibt sie unter dem Titel „Juttas Kolumne“ über den Alltag im Saunadorf, etwa über einen verletzten Schwan im Gartenteich der Anlage.
Das Reisemagazin Reisesachse beschreibt sie als jemanden, der die Aufgüsse in der Sauna oft persönlich übernimmt und bei Gästen für seine offene, gesprächige Art bekannt ist.
Der Tagesspiegel notierte bereits 2007, dass Gäste sie regelmäßig nach dem Stand von Franziskas Karriere fragten, ein Zeichen dafür, wie eng Geschäft und Familiengeschichte hier verknüpft sind.
Franziska van Almsick 2025: eine Dokumentation und ein offenes Gespräch
Während ihre Mutter im Saunadorf weitgehend unauffällig weiterarbeitet, stand Franziska van Almsick im Herbst 2025 erneut im Fokus. Die ARD zeigte die dreiteilige Dokumentation „Being Franziska van Almsick“, die ihre Karriere von Barcelona 1992 bis zum Karriereende erneut aufrollte.
In den Interviews rund um die Ausstrahlung sprach die damals 47-jährige Franziska van Almsick vor allem über sich selbst. Sie schilderte eine Essstörung, die einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur zufolge bis in ihre aktive Karriere zurückreicht und sie bis heute begleitet, und erinnerte an ihr enttäuschendes Abschneiden bei Olympia 2000 in Sydney, nach dem die Boulevardpresse sie als „Franzi van Speck“ verspottete. Ihre Mutter und der Stasi Vorwurf gegen sie kamen darin nicht vor.
Was von der Geschichte bleibt
Der SC Dynamo Berlin brachte in denselben Jahren Weltrekorde und, laut Aktenlage, informelle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit hervor. In der Familie van Almsick treffen beide Spuren aufeinander, der Verdacht gegen die Mutter aus dem Jahr 1993 und die Belastungen, von denen die Tochter heute in einem völlig anderen Zusammenhang spricht. Einen belegten Zusammenhang zwischen beidem gibt es nicht, und es wäre falsch, einen zu behaupten.
Was bleibt, ist eine Frau, die seit über 30 Jahren zwischen zwei Rollen lebt, als Randfigur einer der bekanntesten deutschen Sportgeschichten und als Betreiberin eines echten, gebuchten, ganz gewöhnlichen Betriebs in der Lausitz, in dem die Erfolge ihrer Tochter bis heute an den Hauswänden stehen.
Quellen: taz.de, Tagesspiegel, Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Booking.com Bewertungen, dpa via Yahoo Nachrichten

