Gunnar Breske moderiert beim Mitteldeutschen Rundfunk die Nachrichtensendung MDR Aktuell und beim Ersten das Wirtschaftsmagazin Plusminus. Weniger bekannt ist, dass er zwischen 2013 und 2018 als einer von rund zwei Dutzend akkreditierten ARD-Reportern den NSU-Prozess in München protokollierte. Diese Arbeit tauchte in keinem Sendeplan auf und wurde erst Jahre später durch ein Hörspiel öffentlich sichtbar.
Wer verstehen will, wer Gunnar Breske wirklich ist, kommt an dieser zweiten Geschichte nicht vorbei. Sie erklärt, warum sein beruflicher Werdegang mehr zu bieten hat als die übliche Aufzählung von Sendungen und Jahreszahlen.
Inhaltsverzeichnis
Wer ist Gunnar Breske
Gunnar Breske wurde am 17. Dezember 1979 in Jena geboren. Er studierte Politikwissenschaft sowie Neuere und Wirtschaftsgeschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und arbeitete schon während des Studiums als Nachrichtenredakteur beim privaten Sender Antenne Thüringen. Nach seinem Magisterabschluss 2005 begann er 2006 ein Redaktionsvolontariat beim MDR in Leipzig.
Die wichtigsten Stationen im Überblick:
| Kategorie | Angabe |
|---|---|
| Geboren | 17. Dezember 1979 in Jena |
| Studium | Politikwissenschaft, Neuere und Wirtschaftsgeschichte, Uni Jena |
| Erste Station | Nachrichtenredakteur bei Antenne Thüringen |
| Arbeitgeber | MDR und ARD |
| Bekannt für | MDR Aktuell, Plusminus, NSU-Prozessprotokolle |
| Wohnort | bei Leipzig |
Vom Volontariat in Leipzig zum Nachrichtengesicht des MDR
Sein Weg durch die ARD verlief zügig. Bereits 2007 arbeitete er als Redakteur und Live-Reporter für die Tagesschau und die Tagesthemen, unter anderem bei Auslandseinsätzen zum Papstbesuch in Erfurt, zum G7-Gipfel und im ARD-Studio Prag. 2012 wechselte er vorübergehend nach Hamburg in die Redaktion von ARD-aktuell.
Seit 2013 moderiert er die Ausgaben von MDR Aktuell, seit 2016 auch die Hauptausgaben um 19:30 und 21:45 Uhr. Ab 2017 kamen die Wahlsondersendungen des MDR und die Runden der Spitzenkandidaten bei Landtags- und Bundestagswahlen dazu. 2020 übernahm er beim Wirtschaftsmagazin Plusminus die Nachfolge von Jörg Boecker.
Fünf Jahre im Gerichtssaal, die kaum jemand kennt
Parallel zu diesem Aufstieg saß er von Mai 2013 bis Juli 2018 fast an jedem Verhandlungstag im Saal A 101 des Oberlandesgerichts München. Dort verhandelte das Gericht gegen Beate Zschäpe und vier Mitangeklagte im NSU-Prozess, dem größten Rechtsterrorismusverfahren der deutschen Geschichte. Weil im Gerichtssaal keine Kameras zugelassen waren, blieb die Mitschrift der akkreditierten Reporter die einzige verlässliche Quelle für das, was dort verhandelt wurde.
Er gehörte zu einer Gruppe von rund zwei Dutzend ARD-Gerichtsreportern, die diese Aufgabe über die gesamte Prozessdauer übernahmen. Aus ihren Mitschriften entstanden etwa sechstausend Seiten Protokoll. Diese Protokolle bildeten die Grundlage für das zwölfstündige Dokumentarhörspiel Saal 101, eine Produktion des Bayerischen Rundfunks für ARD und Deutschlandfunk.
Das Hörspiel folgt nicht dem zeitlichen Ablauf des Prozesses. Es bündelt Zeugenaussagen thematisch, von der Radikalisierung der Täter in der Nachwendezeit bis zu den Ermittlungspannen der Sicherheitsbehörden. 2021 wurde die Produktion als Hörbuch des Jahres ausgezeichnet.
Die vollständige Episodenliste findet sich im Archiv des Bayerischen Rundfunks.
Breske stammt selbst aus Jena, der Stadt, in der auch Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt aufwuchsen. Zur Bedeutung dieser Herkunft für seine Arbeit als Prozessreporter hat er sich öffentlich nicht geäußert. In der ARD-Hörspieldatenbank ist er namentlich unter den Autorinnen und Autoren der Mitschriften gelistet, gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen wie Frank Bräutigam, Gigi Deppe und Marcel Fürstenau.
Eine Magisterarbeit, die im Rückblick anders klingt
Schon 2008, Jahre vor dem NSU-Prozess, veröffentlichte er seine Magisterarbeit unter dem Titel Die Landesparlamente in der Föderalismusreform. Sie erschien im VDM Verlag Dr. Müller in Saarbrücken und untersuchte, warum Reformen in Deutschland trotz breiter politischer Zustimmung häufig scheitern. Im Klappentext des Buches wird der frühere Bundespräsident Johannes Rau mit der Frage zitiert: „Wer verhindert, was doch alle wollen?“
Diese Frage aus einer akademischen Arbeit bekommt eine andere Bedeutung, wenn man sie neben die spätere Arbeit im Gerichtssaal legt. Im NSU-Prozess ging es um genau diese Art von Versagen, etwa beim Verfassungsschutz, das trotz vorhandener Hinweise nicht verhindert wurde. Er hat damit dieselbe Fragestellung zweimal bearbeitet, einmal als Student in der Theorie und einmal als Reporter in der Praxis.
Gunnar Breske heute
Seit 2020 moderiert Gunnar Breske das Wirtschaftsmagazin Plusminus und bleibt gleichzeitig Gesicht der Nachrichtensendung MDR Aktuell. Seit 2015 arbeitet er zusätzlich als Trainer bei der Shibumi Leadership Academy, unter anderem für Führungskräfte des Auswärtigen Amtes, und sitzt seit 2014 in der Jury des Thüringer Innovationspreises. 2025 wirkte er an einer Sendung über den früheren Thüringer Ministerpräsidenten Bernhard Vogel mit, ein Hinweis darauf, dass er weiterhin nah an seiner Heimatregion arbeitet.
Er lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in der Nähe von Leipzig. Über sein Privatleben spricht er öffentlich kaum. Den vollständigen beruflichen Werdegang mit allen Quellenangaben führt er selbst auf seiner eigenen Website, eine zusätzliche, mit MDR- und ARD-Quellen belegte Übersicht bietet sein Wikipedia-Eintrag.
Zwischen den beiden Teilen seiner Arbeit liegt ein auffälliger Unterschied. Die eine läuft jeden Abend im Fernsehen und ist entsprechend bekannt. Die andere bestand aus jahrelanger, stiller Protokollarbeit im Hintergrund und wurde erst durch ein Hörspiel einem größeren Publikum zugänglich, lange nachdem der Prozess selbst zu Ende gegangen war.

