Antje Garden: DDR-Ansagerin, deren Tod nie geklärt wurde

Antje Garden gehörte zu den bekanntesten Gesichtern des DDR-Fernsehens, doch die Geschichte ihres Todes im Mai 1993 ist bis heute weniger bekannt als ihr Name selbst. Wer online nach ihr sucht, findet meist nur wenige Sätze: rothaarige Ansagerin, beliebt beim Publikum, tödlich verunglückt mit 42 Jahren. Was in den meisten Kurzbiografien fehlt, ist das, was nach diesem Unfall geschah: ein Gerichtsverfahren, das über ein Jahr lang immer wieder verschoben wurde, bis es sich praktisch von selbst erledigte.



Wer war Antje Garden?

Sie wurde am 20. April 1951 in Berlin geboren und wäre in diesem Jahr 75 geworden, ihr Todestag jährt sich zum 33. Mal.

1978 kam sie mit 27 Jahren zum Fernsehen der DDR und gehörte bald zu den Gesichtern, die man kannte, ohne groß darüber nachzudenken. Genau das war ihr Beruf: Ansagerin im sogenannten Ansagekollektiv, jener Gruppe von Moderatorinnen und Moderatoren, die den Übergang zwischen den Sendungen im DDR-Fernsehen füllten.

Besonders bekannt wurde sie mit einem kleinen, spätabendlichen Format namens Erotisches zur Nacht, in dem sie Geschichten, Lieder und Gedanken zum Thema vorstellte. Dazu kamen Auftritte, die über die reine Ansagerinnenrolle hinausgingen:

  • Zwei Episoden der Samstagabendshow Ein Kessel Buntes zwischen 1980 und 1990, darunter eine Folge im Juni 1990 mit Karl Moik, in der sie das Segment „Antje’s Hausgemachtes“ moderierte
  • Eine Gastrolle im DEFA-Kinderfilm Hasenherz von 1987
  • Ein Auftritt bei einer Verlosung der DDR-Fernsehzeitschrift FF dabei im Februar 1988
  • Nach der Wende kurze Stationen bei RTL, bevor sie zum Mitteldeutschen Rundfunk wechselte

Beim MDR moderierte sie den MDR-Club, aus dem später die bis heute laufende Talkshow Riverboat hervorging. Damit gehörte sie zu einer kleinen Gruppe von DDR-Fernsehgesichtern, die den Sprung ins gesamtdeutsche Programm nach 1990 tatsächlich schafften. Die meisten ihrer Kolleginnen und Kollegen verschwanden aus dem Programm, sie blieb im Bild.

Die Unfallnacht auf der Bautzner Straße

In der Nacht zum 20. Mai 1993, der Nacht auf Himmelfahrt, besuchte sie den Landespresseball im Dresdner Schloss Albrechtsberg. Danach stieg sie zu Hans-Henry Wieczorek ins Auto, damals Landespolitik-Chef beim MDR-Hörfunk Sachsen. Beide wollten die Nacht in der Diskothek Hollywood fortsetzen.

Wieczorek hatte getrunken. Wenige Hundert Meter vom Schloss entfernt geriet der Wagen in einer Kurve auf der Bautzner Straße ins Schleudern und prallte gegen einen Betonmast. Antje Garden war nicht angeschnallt und starb noch in derselben Nacht. Wieczorek überlebte mit schweren Verletzungen an Hüfte und Beinen.

Der Prozess gegen Hans-Henry Wieczorek

Wieczorek wurde wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Der zuständige Amtsrichter in Dresden zog den Fall an sich, obwohl er dafür nach den üblichen Zuständigkeitsregeln eigentlich nicht infrage kam. Laut Berichterstattung der taz soll er das gegenüber Kollegen offen damit begründet haben, sich durch die mediale Aufmerksamkeit profilieren zu wollen.

Der eigentliche Prozessbeginn, mehr als ein Jahr nach dem Unfall, platzte dann. Wieczorek erschien nicht vor Gericht, sein Anwalt verwies auf eine schwere Hüftoperation im Juli desselben Jahres. Ein Amtsarzt bestätigte schriftlich, dass außerhalb des Krankenbetts keine Verhandlungsfähigkeit bestehe. Der Anwalt der Familie, der als Nebenkläger auch Ehemann Rainer Garden vertrat, warf Wieczorek öffentlich vor, das Verfahren bewusst hinauszuzögern.

Der Gutachter, der diese Verhandlungsunfähigkeit bestätigte, hatte kurz zuvor eine ähnliche Rolle im Prozess gegen Erich Honecker gespielt. Im August 1994 meldete die Deutsche Presse-Agentur schließlich, Wieczorek müsse sich wahrscheinlich nicht mehr vor Gericht verantworten. Zu einem Urteil kam es nie.

Die Schadensersatzforderungen der Familie sollen sich zu dieser Zeit auf bis zu einer halben Million Mark belaufen haben.

Die Kehrseite ihrer Erfolgsgeschichte

Antje Garden gilt als eine der wenigen DDR-Fernsehpersönlichkeiten, die den Übergang ins vereinte Deutschland beruflich überstanden haben, neben Namen wie Maybrit Illner oder Carmen Nebel. Diese Einordnung gilt für ihre Karriere, nicht aber für die Art, wie ihr Tod juristisch behandelt wurde.

Dass der Kollege am Steuer saß, ein nicht zuständiges Gericht den Fall an sich zog und derselbe Gutachter aushalf, der Jahre zuvor schon den Prozess gegen Honecker verzögert hatte, macht daraus mehr als einen tragischen Unfall mit unglücklichem Ausgang vor Gericht.

Was von Antje Garden bleibt

Sie hinterließ ihren Ehemann, den Sänger Rainer Garden, eine gemeinsame Tochter und einen Sohn aus erster Ehe. Rainer Garden zog sich nach dem Unfall zunächst von der Bühne zurück.

Beigesetzt wurde sie auf dem Evangelischen Friedhof der St.-Christophorus-Gemeinde in Berlin-Friedrichshagen. Nach Ablauf der üblichen zwanzigjährigen Ruhezeit wurde das Urnengrab aufgelöst, ein Grabstein existiert heute nicht mehr.

2007, mehr als zehn Jahre nach ihrem Tod, wählte der MDR sie im Rahmen einer Rückschau unter hundert bekannten Ansagerinnen und Ansagern auf Platz neun der beliebtesten Fernsehgesichter der DDR.

Was von Antje Garden bleibt, ist deshalb zweigeteilt: das Bild einer der wenigen DDR-Ansagerinnen, die im gesamtdeutschen Fernsehen ankamen, und die kaum erzählte Geschichte eines Verfahrens, das in demselben Jahrzehnt versandete, in dem ihre Karriere als Erfolg galt.


Quellen:

Daniela Seiler
Daniela Seilerhttps://apexmagazin.de/
Ich bin Daniela Seiler, Journalistin aus Holtland in Niedersachsen und Gründerin von Apex Magazin. Ich habe Journalismus studiert und danach vier Jahre in lokalen Verlagen gearbeitet, wo ich gelernt habe, dass Berichterstattung dann am stärksten ist, wenn man ihr nicht ausweicht, egal wie unbequem oder komplex das Thema ist. In dieser Zeit habe ich über ein breites Spektrum berichtet: Sportereignisse und Spielerporträts, nationale und internationale Nachrichten, gesellschaftliche Brennpunkte, Prominente und ihre Geschichten, Beziehungen und Hintergründe, Unterhaltung, Technologie, Gaming, Automobil, Wirtschaft und die Trendthemen, die Deutschland gerade wirklich beschäftigen. Kein Ressort war für mich jemals Pflichtprogramm. Ich habe mich für alle interessiert. Am 13. Mai 2026 habe ich Apex Magazin gegründet, weil ich ein Magazin aufbauen wollte, das keine künstlichen Grenzen zwischen Themen zieht und seinem Publikum gegenüber in jeder Zeile ehrlich bleibt. Hier schreibe ich selbst, jeden Tag, gemeinsam mit einem Team aus Redakteuren, Rechercheurinnen und Fachautoren, die denselben Anspruch teilen.

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