Ulrich Pleitgen Alter: Wahres Geburtsjahr erst nach Tod bekannt (75)

Ulrich Pleitgen galt als einer der bekanntesten deutschen Fernsehschauspieler seiner Generation. Als er im Februar 2018 starb, meldeten deutsche Zeitungen ein Alter von 71 Jahren, die Zahl, die er selbst sein Leben lang öffentlich angegeben hatte. Erst mit seiner posthum veröffentlichten Autobiografie kam heraus, dass diese Zahl nicht stimmte.

Auf Seite 55 des Buches steht ein anderes Geburtsjahr, als es jahrzehntelang in Archiven, Zeitungsartikeln und Filmdatenbanken zu finden war. Manche Datenbanken führen bis heute, im Jahr 2026, noch immer die alte Angabe.



Wer war der Schauspieler?

Geboren wurde er am 1. November 1942 in Hannover, nicht 1946, wie es zu seinen Lebzeiten überall stand. Gestorben ist er am 21. Februar 2018 in Hamburg an Herzversagen, im Alter von 75 Jahren.

Einem breiten Fernsehpublikum wurde er als Apotheker Johannes Kleist in der ARD-Serie „Familie Dr. Kleist“ und als Hauptkommissar Matthias Sander in „K3 – Kripo Hamburg“ bekannt. Bevor diese Rollen kamen, stand eine mehrjährige Karriere am deutschen Sprechtheater, wie im Wikipedia-Eintrag zum Schauspieler nachzulesen ist.

Die wichtigsten Eckdaten im Überblick:

KategorieAngabe
Geboren1. November 1942 in Hannover
Gestorben21. Februar 2018 in Hamburg
BerufSchauspieler, Hörbuchsprecher
Bekannteste RollenWolfgang Schefer („Nicht von schlechten Eltern“), Johannes Kleist („Familie Dr. Kleist“), Matthias Sander („K3 – Kripo Hamburg“), Richter Theodor Prinzing („Stammheim“)
EhefrauAnn-Monika Pleitgen, Schauspielerin
StiefsohnIlja Bohnet, Physiker und Autor
Auszeichnungen (Auswahl)Kunstpreis Berlin (1972), Schauspieler des Jahres (1984), Goldener Bär mit „Stammheim“ (1986), Bambi (1994)

Die Theaterjahre

Seine erste Bühnenerfahrung sammelte er mit elf Jahren im Theater seines Internats in Dassel. Nach einer kaufmännischen Ausbildung entschied er sich für die Schauspielerei und studierte an der Hochschule für Musik und Theater Hannover.

Danach folgten Engagements an mehreren großen deutschen Bühnen, in dieser Reihenfolge:

  • Berlin, an den Staatlichen Schauspielbühnen unter Boleslaw Barlog
  • Frankfurt, ab 1975, mit Inszenierungen von Wilfried Minks und Hans Neuenfels
  • Stuttgart, ab 1978, im Ensemble von Claus Peymann
  • Bochum, wohin er Peymann Anfang der 1980er Jahre folgte, unter anderem in „Woyzeck“ und „Torquato Tasso“
  • Hamburg, am Thalia Theater, von 1985 bis zu seinem Abschied 1989

1972 erhielt er den Kunstpreis Berlin als bester Nachwuchsschauspieler. 1984 kürte ihn die Fachzeitschrift Theater heute zum Schauspieler des Jahres. Das Fachportal für Theaterkritik nachtkritik.de beschrieb ihn nach seinem Tod als einen sehr präzisen und sympathischen Schauspieler.

Bekannte Fernsehrollen

1989 verließ er das feste Ensembletheater und konzentrierte sich auf Film und Fernsehen. Der Durchbruch beim breiten Publikum kam über mehrere Rollen zugleich.

Als Richter Theodor Prinzing spielte er 1986 im Kinofilm „Stammheim“ mit, der beim Berliner Filmfestival den Goldenen Bären gewann. Der Film behandelte den Prozess gegen die RAF-Führung und war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, kaum zehn Jahre nach dem sogenannten Deutschen Herbst, umstritten.

1994 folgte der Bambi für seine Rolle als Kapitän zur See Wolfgang Schefer in der Vorabendserie „Nicht von schlechten Eltern“. Von 2003 bis 2011 spielte er den Apotheker Johannes Kleist in „Familie Dr. Kleist“. Parallel dazu übernahm er von 2003 bis 2005 den Kommissar in „K3 – Kripo Hamburg“, eine Rolle, die er im Sommer 2006 wegen einer Erkrankung aufgeben musste, während er 2007 zu „Familie Dr. Kleist“ zurückkehrte.

Weitere Stationen seiner Fernsehkarriere:

  • Zwei Auftritte in „Das Traumschiff“ (1999 und 2002)
  • Mehrere Episoden der Krimireihe „Tatort“
  • Sein letzter Auftritt vor der Kamera, 2016, als Großvater und Umweltaktivist in „Immer Ärger mit Opa Charly“

Arbeit als Hörbuchsprecher

Neben der Kamera arbeitete er regelmäßig als Sprecher für Hörbücher und Hörspiele. Von 2003 bis 2009 sprach er die Titelrolle in der 37-teiligen Hörspielserie „Edgar Allan Poe“, gemeinsam mit Iris Berben.

Für das Hörbuch „Assassini“ erhielt er 2005 eine Goldene Schallplatte, weil mehr als 100.000 Exemplare verkauft wurden. Eine zweite Goldene Schallplatte folgte 2016 für seine Einlesung von Ken Folletts „Die Nadel“, elf Jahre nach der ersten.

Dazwischen lagen der Deutsche Hörbuchpreis 2006 und der Preis der deutschen Schallplattenkritik 2007.

Das falsche Geburtsjahr

Er galt unter Weggefährten als direkt und bodenständig, als jemand, der offen über sich sprach. Sein eigenes Geburtsjahr aber stand vierzig Jahre lang falsch in der Öffentlichkeit, ohne dass es jemand infrage stellte.

Erst mit seiner Autobiografie „Ganz oder gar nicht! Aus dem Leben eines Überzeugungstäters“, verfasst zusammen mit Stiefsohn Ilja Bohnet und im Oktober 2018 erschienen, kam die Korrektur ans Licht. Sein tatsächliches Geburtsjahr war 1942, nicht 1946. Zum Zeitpunkt seines Todes war er damit 75 Jahre alt, nicht 71, wie es die Nachrichtenagentur dpa und mit ihr fast alle großen Zeitungen im Februar 2018 meldeten, darunter auch die Stuttgarter Zeitung.

Warum die falsche Angabe über vier Jahrzehnte bestehen blieb, ist in keiner der verfügbaren Quellen erklärt.

Familie

Mit der Schauspielerin Ann-Monika Pleitgen war er seit 1974 zusammen, geheiratet wurde 1981. Ihr Sohn aus erster Ehe mit dem Schauspieler und Regisseur Folker Bohnet, Ilja Bohnet, wurde Physiker und Autor und half seinem Stiefvater bei der Fertigstellung der Autobiografie.

Häufig verwechselt wird er mit dem Journalisten Fritz Pleitgen, langjähriger Intendant des WDR. Die beiden waren nur entfernt verwandt, keine Brüder und keine engen Verwandten. Fritz Pleitgen wurde 1938 in Duisburg geboren und starb 2022 in Köln, eine eigene Familienlinie mit einer eigenen Karriere im Journalismus.

Tod und Vermächtnis

Er starb 2018 in seiner Wahlheimat Hamburg, in einem kleinen Reetdachhaus in der Heide, das er sich mit seiner Frau gekauft hatte. Seine Autobiografie, die auch sein wahres Alter offenlegte, blieb sein letztes großes Projekt.

Für ein breites Publikum bleibt er der Apotheker aus „Familie Dr. Kleist“ oder der Kommissar aus Hamburg. Wer genauer hinschaut, findet einen Bühnenschauspieler mit Auszeichnungen aus den frühen 1970er und 1980er Jahren, dessen spätere Fernsehrollen diesen Teil seiner Laufbahn weitgehend überdeckten.

Häufig gestellte Fragen

Wie alt wurde Ulrich Pleitgen wirklich?

75 Jahre. Sein tatsächliches Geburtsjahr war 1942, was erst nach seinem Tod durch seine Autobiografie bekannt wurde. Zuvor war überall das Jahr 1946 angegeben.

War er mit Fritz Pleitgen verwandt?

Ja, aber nur entfernt. Die beiden waren keine Brüder und gehörten unterschiedlichen Zweigen der Familie an. Fritz Pleitgen war Journalist und langjähriger WDR-Intendant.

Was war seine bekannteste Rolle?

Einem breiten Publikum ist er vor allem als Apotheker Johannes Kleist aus „Familie Dr. Kleist“ und als Kommissar Sander aus „K3 – Kripo Hamburg“ bekannt. Für Theaterkenner bleibt seine Zeit unter Claus Peymann in Bochum ebenso prägend.

Woran ist der Schauspieler gestorben?

Er starb am 21. Februar 2018 in Hamburg an Herzversagen.

Gibt es eine Autobiografie von Ulrich Pleitgen?

Ja. „Ganz oder gar nicht! Aus dem Leben eines Überzeugungstäters“ erschien im Oktober 2018 bei Schwarzkopf & Schwarzkopf, verfasst gemeinsam mit seinem Stiefsohn Ilja Bohnet.

Daniela Seiler
Daniela Seilerhttps://apexmagazin.de/
Ich bin Daniela Seiler, Journalistin aus Holtland in Niedersachsen und Gründerin von Apex Magazin. Ich habe Journalismus studiert und danach vier Jahre in lokalen Verlagen gearbeitet, wo ich gelernt habe, dass Berichterstattung dann am stärksten ist, wenn man ihr nicht ausweicht, egal wie unbequem oder komplex das Thema ist. In dieser Zeit habe ich über ein breites Spektrum berichtet: Sportereignisse und Spielerporträts, nationale und internationale Nachrichten, gesellschaftliche Brennpunkte, Prominente und ihre Geschichten, Beziehungen und Hintergründe, Unterhaltung, Technologie, Gaming, Automobil, Wirtschaft und die Trendthemen, die Deutschland gerade wirklich beschäftigen. Kein Ressort war für mich jemals Pflichtprogramm. Ich habe mich für alle interessiert. Am 13. Mai 2026 habe ich Apex Magazin gegründet, weil ich ein Magazin aufbauen wollte, das keine künstlichen Grenzen zwischen Themen zieht und seinem Publikum gegenüber in jeder Zeile ehrlich bleibt. Hier schreibe ich selbst, jeden Tag, gemeinsam mit einem Team aus Redakteuren, Rechercheurinnen und Fachautoren, die denselben Anspruch teilen.

Weitere Artikel

Kommentare

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Meistgelesen