Paul Gauselmann gestorben: Merkur-Gründer stirbt vor 92. Geburtstag

Paul Gauselmann kam noch dienstags und donnerstags ins Büro, Monate nachdem er offiziell nicht mehr an der Spitze der Merkur Group stand. Die Limousine steuerte er bis zuletzt selbst. In der Konzernzentrale an der Espelkamper Merkur-Allee kannten ihn alle nur als PG.

Am 21. August 2026 ist er gestorben, wenige Tage vor seinem 92. Geburtstag. Das teilte die Merkur Group mit, das Unternehmen, das aus ein paar aufgestellten Musikboxen im Jahr 1957 hervorging und zum größten Glücksspielkonzern Deutschlands wurde. 67 Jahre lang stand er an der Spitze der Firma, bis er sich 2024 aus dem operativen Geschäft zurückzog, blieb ihr aber bis zu seinem Tod verbunden.



Paul Gauselmann im Überblick

AngabeInformation
Geboren26. August 1934 in Borghorst bei Münster
Gestorben21. August 2026, im Alter von 91 Jahren
BerufGelernter Fernmelderevisor, später Unternehmer
UnternehmenGründer der Gauselmann Gruppe, heute Merkur Group
Sitz des UnternehmensEspelkamp, Ostwestfalen
EhefrauKarin Gauselmann
KinderVier Söhne, darunter Michael Gauselmann
AuszeichnungenBundesverdienstkreuz 1. Klasse (2003), Ehrenbürger von Espelkamp und Lübbecke (2004)
Rückzug aus der Konzernspitze2024, nach 67 Jahren an der Firmenspitze

Wer war der Mann hinter der Merkur-Sonne?

Bevor aus ihm ein Name für Merkur-Spielhallen und die lachende Sonne wurde, war er Fernmelderevisor bei der Post. 1950 schloss er die Schule als Jahrgangsbester ab, 1956 wechselte er zu einer Automatenfirma in Coesfeld, die amerikanische Wurlitzer-Musikboxen importierte. Ein Jahr später stellte er die ersten eigenen Geräte in Gaststätten auf, zunächst nebenberuflich.

Erst 1964 wagte er den Schritt in die volle Selbstständigkeit. Von da an ging es schnell: 1974 eröffnete seine erste eigene Spielothek, 1977 brachte er mit dem „Merkur B“ das erste selbst entwickelte Geldspielgerät auf den Markt. Die lachende Merkur-Sonne, entworfen vom freiberuflichen Grafiker Werner Ganteföhr, wurde zum bekanntesten Symbol der Branche.

Eine Kindheit im Krieg

Er war zwei Jahre alt, als seine Mutter starb. Danach wuchs er getrennt von seinem Vater und seinen vier Brüdern bei Verwandten in Münster auf. Als er fünf war, begann der Zweite Weltkrieg, und er erlebte Bombenangriffe, Angst und Entbehrung mit.

Über die schlaflosen Nächte im Luftschutzkeller sagte er später einmal, man habe sich mit Spielen die Zeit und die Angst vertrieben. Diese Erklärung stammt aus seinem eigenen Rückblick auf die Kriegsjahre und wurde nach seinem Tod im offiziellen Nachruf der Merkur Group veröffentlicht.

Vom Musikboxen-Aufsteller zum Marktführer

Die Firma wuchs in den folgenden Jahrzehnten kontinuierlich. Ein paar Stationen aus der Geschichte zeigen das Tempo:

  • 1983: Mit dem „Merkur Disc“ bringt das Unternehmen das erste Gerät mit Scheiben auf den Markt.
  • 1985: Die Gauselmann Gruppe wird Marktführer bei Spielautomaten in Deutschland.
  • 1986: Die erste ausländische Betriebsstätte eröffnet in Amsterdam.
  • 1991: Der Jahresumsatz überschreitet erstmals die Marke von einer Milliarde D-Mark.
  • 2016: Die gesamten Firmenanteile der Familie gehen in die Gauselmann-Familienstiftung über, die seither alleinige Eigentümerin ist.
  • 2018: Das Unternehmen sichert sich die Namensrechte am Stadion von Fortuna Düsseldorf, seither Merkur Spiel-Arena.
  • 2024: Umbenennung von Gauselmann Gruppe in Merkur Group.

Heute beschäftigt die Merkur Group nach eigenen Angaben rund 15.000 Menschen weltweit und erzielt einen Jahresumsatz von etwa 2,1 Milliarden Euro. Das Geschäft reicht längst über klassische Geldspielgeräte hinaus, zum Portfolio gehören Spielbanken, Online-Glücksspiel, Sportwetten und Systeme zur Geldbearbeitung.

Ermittlungen und Kritik an der Automatenbranche

28 Jahre lang war er Vorstandsvorsitzender des Verbands der Deutschen Automatenindustrie und verhandelte damit die Regeln für seine eigene Branche mit, oft im direkten Streit mit Suchtverbänden, dem staatlichen Lottoblock und der Politik. Diese Nähe zur Politik brachte 2011 auch Ärger.

Recherchen der Süddeutschen Zeitung ergaben, dass Mitarbeiter der Gauselmann AG seit 1990 rund eine Million Euro an CDU/CSU, SPD, FDP und Grüne gezahlt hatten, in Beträgen, die stets unter der meldepflichtigen Grenze von 10.000 Euro blieben. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld durchsuchte daraufhin die Firmenzentrale und vernahm leitende Mitarbeiter. Im April 2011 stellte sie das Verfahren ein, nach Angaben von Oberstaatsanwalt Klaus Pollmann fanden die Ermittler keine Hinweise auf einen Verstoß gegen das Parteiengesetz.

Laut dem Fachverband Glücksspielsucht nennen rund 80 Prozent der Menschen, die sich in Deutschland wegen einer Spielsucht beraten lassen, gewerbliche Geldspielautomaten als ihr Hauptproblem. Genau dieses Marktsegment hat der Espelkamper Unternehmer über Jahrzehnte dominiert und politisch verteidigt.

Der Rückzug und die Nachfolge

Nach 67 Jahren an der Spitze zog er sich 2024 aus dem operativen Geschäft zurück. Die Führung der Holding Merkur.com AG übernahm Lars Felderhoff, sein Sohn Michael Gauselmann wurde Vorsitzender des Aufsichtsrats und der Gauselmann-Familienstiftung.

Die Firmenanteile liegen bereits seit 2016 vollständig bei der Familienstiftung, nicht mehr bei ihm persönlich. Sein Tod verändert deshalb nichts an der Eigentümerstruktur der Merkur Group, die Nachfolge war seit Jahren geregelt.

Ehrungen, Stiftung und private Leidenschaften

Für sein unternehmerisches Lebenswerk erhielt er 2003 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, 2004 machten ihn die Städte Espelkamp und Lübbecke zum Ehrenbürger. Über 200 seiner eigenen Erfindungen wurden patentiert.

Gemeinsam mit seiner Frau Karin gründete er die Paul und Karin Gauselmann Stiftung, die soziale und kulturelle Projekte in der Region Minden-Lübbecke fördert. 2010 kaufte er das rund 500 Jahre alte Schloss Benkhausen und ließ daraus ein Schulungszentrum mit Hotel machen, in einer ehemaligen Scheune auf dem Gelände befindet sich heute das Deutsche Automatenmuseum.

Privat blieb er bodenständig. Er spielte über 30 Jahre lang fast jeden Abend Backgammon, war Teil einer deutschen Meistermannschaft im Senioren-Tennis beim TV Espelkamp und ließ kaum ein Spiel seines Handballvereins TuS N-Lübbecke aus. Er hinterlässt seine Frau Karin, vier Söhne, neun Enkel und sieben Urenkel.

Häufige Fragen zu Paul Gauselmann

Wie alt wurde Paul Gauselmann?

Er wurde 91 Jahre alt und starb am 21. August 2026, wenige Tage vor seinem 92. Geburtstag.

Woran ist Paul Gauselmann gestorben?

Die Merkur Group hat in ihrer Mitteilung keine Todesursache genannt.

Wer führt die Merkur Group jetzt?

Seit 2024 leitet Lars Felderhoff die Holding Merkur.com AG als Vorstandsvorsitzender. Michael Gauselmann, Sohn des Gründers, ist Vorsitzender des Aufsichtsrats und der Familienstiftung.

Wem gehört die Merkur Group?

Alleinige Eigentümerin ist seit 2016 die Gauselmann-Familienstiftung, in die die gesamte Familie ihre Firmenanteile eingebracht hat.

Wie viele Kinder hatte Paul Gauselmann?

Er hatte vier Söhne, neun Enkel und sieben Urenkel.

Gab es rechtliche Probleme rund um Paul Gauselmann?

2011 ermittelte die Staatsanwaltschaft Bielefeld wegen verdeckter Parteispenden aus seinem Unternehmen. Das Verfahren wurde noch im selben Jahr eingestellt.


Quellen: Merkur Group Pressemitteilung, Handelsblatt, Neue Westfälische, WirtschaftsWoche, taz

Daniela Seiler
Daniela Seilerhttps://apexmagazin.de/
Ich bin Daniela Seiler, Journalistin aus Holtland in Niedersachsen und Gründerin von Apex Magazin. Ich habe Journalismus studiert und danach vier Jahre in lokalen Verlagen gearbeitet, wo ich gelernt habe, dass Berichterstattung dann am stärksten ist, wenn man ihr nicht ausweicht, egal wie unbequem oder komplex das Thema ist. In dieser Zeit habe ich über ein breites Spektrum berichtet: Sportereignisse und Spielerporträts, nationale und internationale Nachrichten, gesellschaftliche Brennpunkte, Prominente und ihre Geschichten, Beziehungen und Hintergründe, Unterhaltung, Technologie, Gaming, Automobil, Wirtschaft und die Trendthemen, die Deutschland gerade wirklich beschäftigen. Kein Ressort war für mich jemals Pflichtprogramm. Ich habe mich für alle interessiert. Am 13. Mai 2026 habe ich Apex Magazin gegründet, weil ich ein Magazin aufbauen wollte, das keine künstlichen Grenzen zwischen Themen zieht und seinem Publikum gegenüber in jeder Zeile ehrlich bleibt. Hier schreibe ich selbst, jeden Tag, gemeinsam mit einem Team aus Redakteuren, Rechercheurinnen und Fachautoren, die denselben Anspruch teilen.

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