Jochen Neumann ist seit dem 5. Januar 2026 Bürgermeister von Luckenwalde. Der Jurist, Jahrgang 1973, hatte sich am 19. Oktober 2025 in der Stichwahl als Einzelbewerber mit 76,5 Prozent gegen Matthias Grunert (SPD) durchgesetzt. Die Kreisstadt des Landkreises Teltow-Fläming liegt rund 50 Kilometer südlich von Berlin.
Vor seiner Wahl war Neumann seit 2002 Richter am Amtsgericht Luckenwalde und seit 2008 Stadtverordneter, zuletzt als Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung. Geboren wurde er 1973 in Luckenwalde.
Inhaltsverzeichnis
Vom Industrieelektroniker zum Richter in Luckenwalde
Den Werdegang des Juristen listet das Profil der Linken Luckenwalde auf.
| Zeitraum | Station |
|---|---|
| 1979 bis 1989 | Polytechnische Oberschule in Luckenwalde |
| 1989 bis 1993 | Ausbildung zum Industrieelektroniker mit Abitur in Teltow |
| 1993 bis 1994 | Zivildienst bei der AWO im Kindergarten Niebendorf-Heinsdorf |
| 1995 bis 1999 | Jurastudium an der Universität Potsdam |
| 1999 bis 2001 | Referendariat am Landgericht Potsdam |
| 1999 bis Oktober 2001 | Wissenschaftliche Hilfskraft an der Universität Potsdam |
| November 2001 bis März 2002 | Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Potsdam |
| Ab April 2002 | Richter am Amtsgericht Luckenwalde |
Beide juristischen Staatsexamen hat Neumann nach Angaben der Offenen Zeitung für den Barnim abgelegt, die auf der Seite der Linken Barnim veröffentlicht wird. Das Fraktionsprofil nennt eine feste Lebensgemeinschaft sowie einen Sohn und eine Tochter. Er engagiere sich für das Luckenwalder Stadttheater und für die Kulturarbeit in der Region.
Als Einzelbewerber gewählt, für die Linke im Stadtparlament
Der Landeswahlleiter führt Neumann in beiden Wahlgängen als Einzelwahlvorschlag. Die Offene Zeitung für den Barnim beschreibt ihn als parteilos, er saß aber seit 2008 für die Linke in der Stadtverordnetenversammlung.
Bei der Kommunalwahl 2008 zog er erstmals in das Gremium ein. Laut Fraktionsprofil war er bis 2019 stellvertretender Fraktionsvorsitzender und leitete von Juli 2011 bis zur Kommunalwahl 2019 den Ausschuss für Stadtentwicklung, Wirtschaft und Umwelt. Im Juni 2019 wählten ihn die Stadtverordneten zum Vorsitzenden der Versammlung, die er bis zu seiner Wahl zum Bürgermeister leitete.
Als Bürgermeister führt er nun die Verwaltung einer Stadt, deren Stadtverordnetenversammlung er zuvor vorstand. Zum Amtsantritt rückte Erik Scheidler für ihn in das Gremium nach.
Die Bürgermeisterwahl 2025 in Zahlen
Im ersten Wahlgang am 28. September 2025 traten acht Bewerber an. Die Wahlbeteiligung lag bei 54,9 Prozent, 2017 waren es laut der Wahlübersicht der Linken Luckenwalde 65,4 Prozent gewesen. Die Zahlen des Landeswahlleiters Brandenburg beruhen auf dem vorläufigen Endergebnis.
| Bewerber | Liste | Stimmen | Anteil |
|---|---|---|---|
| Neumann, Jochen | Einzelwahlvorschlag | 3.278 | 35,1 % |
| Grunert, Matthias | SPD | 1.466 | 15,7 % |
| Klaps, Jan-Hendrik | AfD | 1.294 | 13,8 % |
| Menzel, Felix | CDU | 1.100 | 11,8 % |
| Eppinger, Sven | Einzelwahlvorschlag | 960 | 10,3 % |
| Roth, Gordon | GfL | 684 | 7,3 % |
| Wendel, Olaf | Einzelwahlvorschlag | 324 | 3,5 % |
| Teichert, Andreas | Einzelwahlvorschlag | 240 | 2,6 % |
In die Stichwahl am 19. Oktober 2025 zogen Neumann und Grunert ein. Das Ergebnis des Landes fiel eindeutig aus.
| Bewerber | Liste | Stimmen | Anteil |
|---|---|---|---|
| Neumann, Jochen | Einzelwahlvorschlag | 4.984 | 76,5 % |
| Grunert, Matthias | SPD | 1.528 | 23,5 % |
Von 17.084 Wahlberechtigten gaben 6.696 ihre Stimme ab, die Beteiligung sank auf 39,2 Prozent. Neumann gewann gegenüber dem ersten Wahlgang 1.706 Stimmen hinzu, Grunert 62. Nach eigener Berechnung aus den Zahlen des Landeswahlleiters entsprechen die 4.984 Stimmen rund 29 Prozent aller Wahlberechtigten.
Wofür Neumann im Wahlkampf warb
Zu Grundsteuer, Sicherheit und Mieten bezog Neumann auf seiner Wahlkampfseite Position.
- Bei der Grundsteuer verwies er darauf, dass Luckenwalde die Einnahmen nicht erhöht habe, wofür er sich als Stadtverordneter eingesetzt habe. Dass manche Einfamilienhäuser stärker belastet werden als brachliegende Immobilien im Stadtkern, nannte er unfair und wollte sich über Verbünde von Städten und Kommunen beim Bund dafür starkmachen, das zu ändern.
- Für mehr Sicherheit auf dem Boulevard forderte er sichtbarere Ordnungskräfte, eine bessere Ausleuchtung dunkler Ecken und mehr Gewaltprävention an Schulen.
- Bei bezahlbaren Mieten setzte er auf sozialen Wohnungsbau mit dem städtischen Wohnungsunternehmen „DIE LUCKENWALDER“ und auf Vorgaben für Investoren. Bei städtischen Wohnungen sollten realistische Vergleichsmieten die Mieten in einem Rahmen halten, den alle stemmen können.
Antrittsrede und erste Monate im Amt
Am 5. Januar 2026 legte Neumann in der Stadtverordnetenversammlung den Diensteid ab, seine Vorgängerin Elisabeth Herzog-von der Heide wurde verabschiedet. Nach dem Bericht der Stadt verglich er die Aufgaben in seiner Antrittsrede mit dem Erklimmen eines Berges und nannte fünf Vorhaben.
- die Rettung des Ringerwohnheims, gemeint ist nach Neumanns Beiträgen das Wohnheim des 1. LSC Ringen
- einen ausgeglichenen Haushalt ab 2028/2029
- die Sanierung der Fläming-Therme
- die Erweiterung der Friedrich-Ludwig-Jahn-Grundschule
- den Ausbau der Puschkinstraße, der Brandenburger Straße und des letzten Teilstücks der Jänickendorfer Straße
Zum Stand schreibt Neumann auf seiner Internetseite, für die Sanierung der Friedrich-Ebert-Grundschule sei die Finanzierung in seinen ersten 100 Tagen gesichert worden, es fehle nur noch die denkmalrechtliche Genehmigung. Das Wohnheim des 1. LSC Ringen sei vorerst gerettet, und weil die Auslastung zu gering sei, sollen freie Plätze auch an Lehrlinge der Luckenwalder Wirtschaft vermietet werden.
Für die Fläming-Therme kündigte die Stadt im September 2026 eine statische Untersuchung an, die kurzfristig anlaufen soll. Seine Bürgersprechstunde bot Neumann erstmals außerhalb des Rathauses an, im Projekt open.eck auf dem Boulevard. Nach dem Turmfest 2026 räumte er ein, dass bei dem neuen Konzept nicht jeder Schritt reibungslos gelaufen sei und das Wetter nicht immer mitgespielt habe.
Zwei Millionen vom Bund und eine Million von der Stadt für das Stadtbad
Das alte Stadtbad gehört zu den 2022 ausgewählten Projekten des Bundesprogramms „Förderung von Investitionen in nationale Projekte des Städtebaus“. Der Förderbescheid vom 9. September 2025 sieht zwei Millionen Euro Bundesmittel vor, die Stadt trägt eine Million Euro als Eigenanteil. Das denkmalgeschützte Gebäude, ein Zeugnis des Neuen Bauens, soll ein Standort für Kultur- und Kreativwirtschaft werden.
Die Förderung reicht laut Stadt nur für die Beseitigung der schlimmsten Baustellen und die Sicherung des Gebäudes. Im Wahlkampf hatte Neumann das Projekt eine Zukunftschance genannt, auch für junge Leute, die tanzen gehen wollen.
Im September 2026 räumten Bürgerinnen und Bürger das Gebäude leer, danach folgte ein Termin vor Ort. Das Projekt läuft unter dem Titel „Stadtbad für Alle“, beteiligt sind unter anderem die Stadt und das E-Werk Luckenwalde. Bürgermeister Neumann sagte laut Mitteilung der Stadt, es entstehe „ein Ort, der dauerhaft funktioniert, offen ist“.
Der Haushalt 2026 und der Ausgleich ab 2028
Die Stadtverordnetenversammlung beschloss die Haushaltssatzung 2026 am 24. März 2026 und änderte den Entwurf an einzelnen Stellen. Zum Vergleich: Für 2024 wies der Ergebnishaushalt nach Überarbeitung der Ansätze einen Fehlbetrag von 2.091.500 Euro aus, zuerst waren 4,7 Millionen Euro errechnet worden, berichtete die Stadt über die Vorlage von Kämmerin Angela Malter.
Auf seiner Wahlkampfseite nannte Neumann für die Haushaltsplanung ein Minus von 5 Millionen Euro, ohne das Haushaltsjahr zu benennen. Als Wege beschrieb er Einsparungen, höhere Einnahmen, schnellere Genehmigungsverfahren, die Ansiedlung neuer Unternehmen für mehr Gewerbesteuer und einen gestärkten Bauhof, der bisher fremdvergebene Leistungen selbst übernimmt.
Für 2028/2029 hat er einen ausgeglichenen Haushalt angekündigt. Auf der Ausgabenseite stehen die Million Euro Eigenanteil für das Stadtbad und die übrigen Vorhaben aus seiner Antrittsrede.

