Constantin Rothenburg ist Kommunikationsdesigner und Verleger aus Berlin, bekannt als Gründer der Magazine Qvest und Quality. Beide Titel galten in ihrer jeweiligen Startphase als bemerkenswert, und bei beiden verlor Rothenburg später die Kontrolle über den eigenen Titel im Streit mit einem Investor.
Im Mai 2011 zeigt sich das zum zweiten Mal ganz konkret. Im Internet stehen zu diesem Zeitpunkt zwei Webseiten mit dem Namen „Quality“ nebeneinander, mit unterschiedlichem Impressum. Die eine gehört einem Schweizer Investor, die andere Rothenburg selbst, dem Gründer des Magazins. Fünf Jahre zuvor hatte er bei seinem ersten Magazin, „Qvest“, schon einmal in einer sehr ähnlichen Lage gesteckt.
Inhaltsverzeichnis
Die wichtigsten Stationen im Überblick
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 2001 | Gründung von Qvest in Berlin |
| 2004 | Gruner + Jahr erwägt einen Einstieg bei Qvest, zieht sich zurück, das Heft pausiert |
| 2005 | Der Kölner Verlag Medikom übernimmt Qvest |
| 2006 | Rothenburg verlässt Qvest im Streit, Rechtsstreit um die Titelrechte |
| 2007 | Relaunch des Web-TV-Formats Game Face |
| 2008 | Creative Director bei Park Avenue, Ausstieg noch im selben Jahr |
| 2009 | Gründung von Quality |
| 2010 | Einstieg der R. Koller Holding AG bei Quality |
| 2011 | Rothenburg verliert Chefredaktion und Titel bei Quality, erneuter Rechtsstreit |
| 2012 | Quality erscheint unter neuer Leitung weiter, 25. Ausgabe und Schwestermagazin Objexts |
| 2026 | Laut LinkedIn-Profil, Stand Juli, weiterhin selbstständig tätig, Berlin |
Wer ist Constantin Rothenburg?
Medienberichte aus dem Jahr 2008 nennen ihn mit 34 Jahren, was auf ein Geburtsjahr um 1973 oder 1974 hindeutet. Er studierte Kommunikationsdesign und Kunstgeschichte und arbeitete danach als Art Director in Hamburg, Köln, Berlin und New York, unter anderem an einem Corporate Design für die Carnegie Hall.
Der Name ist nicht eindeutig. Ein Schweizer Schauspieler mit demselben Namen spielte 2014 im Film „Simplify your Soul“ mit, das ist eine andere Person. Und der IT-Dienstleister Qvest Media, 1991 in Köln gegründet und heute Teil der RSBG SE, hat mit dem Magazingründer nichts zu tun außer dem zufällig gleichen Namen.
Die Gründung von Qvest
2001 bringt Rothenburg in Berlin ein Magazin auf den Markt, für das es in Deutschland damals kaum ein Vorbild gibt: Qvest, ein Heft für Mode, Kunst und Lifestyle, gedruckt auf schwerem Papier, mit internationalem Anspruch. Die Branche hält das Projekt zunächst für ein Randphänomen ohne großen Verlag im Rücken. Dann gewinnt Qvest in den ersten Jahren den Lead Award als bestes Magazin, und die Einschätzung ändert sich.
2004 erwägt Gruner + Jahr, bei Qvest einzusteigen, zieht sich aber wieder zurück, sodass das Heft vorübergehend nicht erscheinen kann. 2005 übernimmt der Kölner Verlag Medikom den Titel. Rothenburg bleibt zunächst als Herausgeber an Bord. 2006 endet auch diese Zusammenarbeit im Streit, Medikom kündigt seinen Vertrag als Mitherausgeber, und die Frage der Marken und Titelrechte landet vor Gericht.
Wechsel zu Park Avenue
Nach dem Ende bei Qvest bleibt Rothenburg im Berliner Verlagsgeschäft aktiv, unter anderem gestaltet er 2007 den Relaunch des Web-TV-Formats Game Face. Im März 2008 wechselt er als Creative Director zum Gruner + Jahr Magazin Park Avenue und folgt dort auf Markus Thommen. Chefredakteur Andreas Möller begründete die Personalie öffentlich mit dem Ruf des Designers für elegante, innovative Gestaltung.
Die Station bleibt kurz. Noch im selben Jahr trennen sich Rothenburg und Park Avenue wieder. Laut Berichterstattung soll die Chefredaktion mangelnde Zuverlässigkeit als Grund genannt haben, ein neuer Creative Director wird gesucht.
Neustart mit dem Magazin Quality
2009 startet Rothenburg sein zweites Magazin: Quality, ein Heft über Marken, Produkte und die Menschen dahinter. Nach Qvest, sagt er zu diesem Zeitpunkt, habe er sich eigentlich geschworen, kein Magazin mehr zu gründen. Diesmal wolle er es anders angehen und die Kontrolle über sein Magazin behalten.
Die erste Ausgabe erscheint im Mai 2009 aus einem sanierten Altbau in der Berliner Auguststraße heraus, an einem Tisch, der schon in der Qvest-Redaktion stand.
Die wichtigsten Eckdaten zum Start von Quality:
- Titelgeschichte der ersten Ausgabe: Prinz Charles
- Druckauflage: rund 75.000 Exemplare
- Kioskpreis: 3,50 Euro
- Stellvertretender Chefredakteur: David Baum, zuvor unter anderem bei „Bunte“ und „Park Avenue“
- Redaktionssitz: Auguststraße, Berlin-Mitte
Ab September 2010 steigt die Schweizer R. Koller Holding AG bei Quality ein. In einer Mitteilung heißt es damals, man wolle den Titel gemeinsam mit Rothenburg als Chefredakteur weiterentwickeln.
Der Streit um die Titelrechte
Ein Jahr später ist Rothenburg weder Herausgeber noch Chefredakteur von Quality. Die Redaktion übernimmt Susanne Filter, zuvor Art Directorin bei Ogilvy & Mather. Wie kress.de berichtete, bestreitet Rothenburg, die Titelrechte abgegeben zu haben, und verweist auf seinen Anwalt. Im Netz existieren zu diesem Zeitpunkt zwei Quality-Webseiten mit unterschiedlichem Impressum, die eine der Investoren, die andere von Rothenburg selbst betrieben.
Der Ablauf ähnelt dem bei Qvest sechs Jahre zuvor: ein externer Partner steigt ein, um das Magazin wirtschaftlich abzusichern, und kurz danach verliert Rothenburg die Kontrolle über den Titel, den er selbst gegründet hat.
Was aus den Magazinen wurde
Quality läuft unter neuer Leitung weiter. Im September 2012 feiert die Redaktion in der Berliner Siemens-Villa gleich zwei Anlässe: die 25. Ausgabe von Quality und den Start des Schwestermagazins Objexts. Beide Titel verantwortet inzwischen Susanne Filter als Chefredakteurin.
Hinter der Feier steht allerdings ein weniger festliches Kapitel. kress.de berichtete, dass mehrere freie Mitarbeiterinnen zu diesem Zeitpunkt offene Honorare bei der R. Koller Holding AG gerichtlich einklagten. Eine von ihnen, beauftragt für die Schlussredaktion der Ausgaben 14 und 15 im Frühjahr 2011, das erste noch von Rothenburg, das zweite bereits von seinem Nachfolger Arens, gewann ihren Fall vor dem Landgericht Berlin. Bezahlt wurde sie trotz Urteil nicht, ein Pfändungsversuch scheiterte, weil die Koller Holding AG unter der angegebenen Verlagsanschrift nicht aufzufinden war.
Qvest existiert ebenfalls ohne seinen Gründer weiter. Nach mehreren Eigentümerwechseln übernimmt 2009 die Kaune, Sudendorf Publishing GmbH den Titel. W&V berichtete, dass Michael Kaune als neuer Chefredakteur eine klarere Heftstruktur einführte, das Magazin um eine Cityguide-Rubrik sowie mehr Automobil- und Schmuckthemen erweiterte und es als klassischen Modetitel mit internationaler Ausrichtung positionierte, unter anderem mit Plänen für sechs Ausgaben im Jahr und eine englischsprachige Onlineseite.
Wo Rothenburg heute steht
Von Constantin Rothenburg selbst fehlt seither eine öffentliche Stellungnahme zu beiden Fällen, weder 2006 noch 2011. Sein LinkedIn-Profil listet, Stand Juli 2026, nur einen Status: selbstständig, mit Sitz in der Region Berlin. Eine deutschsprachige Wikipedia-Seite zu seiner Person existiert bislang nicht, ungewöhnlich für zwei mehrfach ausgezeichnete Magazingründungen.

