Jennifer Rauchet: Wer ist Hegseths Frau im Pentagon?

Als Pete Hegseth im Januar 2025 seine Bestätigungsgespräche im Senat absolvierte, saß Jennifer Rauchet bei jedem einzelnen Treffen mit republikanischen Senatoren mit im Raum. Ein Mitarbeiter des Senats sagte CNN, so etwas habe es bei einem Kabinettskandidaten noch nie gegeben. Den demokratischen Senatorinnen, die Hegseth zu Vorwürfen einer sexuellen Nötigung befragen wollten, blieb nur festzuhalten: Er kam nie allein.

Seit dem Tag seiner Vereidigung hat sich daran nichts geändert. Rauchet sitzt in Pentagon-Sitzungen, ohne offiziellen Titel, ohne bestätigte Sicherheitsfreigabe, ohne Rechenschaftspflicht gegenüber dem Kongress. Das Ministerium, in dem sie regelmäßig auftaucht, führt gerade einen Krieg gegen den Iran.



Wer ist Jennifer Rauchet?

Jennifer Rauchet, Jahrgang 1985, ist die dritte Ehefrau von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth. Sie studierte Journalismus an der Towson University in Maryland und arbeitete von 2006 bis 2024 bei Fox News, zuletzt als Vizepräsidentin des Streaming-Dienstes Fox Nation. Seit August 2019 ist sie mit Hegseth verheiratet. Gemeinsam führen sie eine Patchwork-Familie mit sieben Kindern.

Ihre Karriere bei Fox verlief über fast zwei Jahrzehnte konsequent hinter der Kamera. Von der Executive Producerin bei Fox & Friends Weekend stieg sie zur Executive Producerin bei Watters‘ World auf, bevor sie Vizepräsidentin bei Fox Nation wurde. Auf dem Bildschirm war sie in dieser gesamten Zeit nicht zu sehen.


Wie Jennifer Rauchet Pete Hegseth kennenlernte

Hegseth trat ab 2014 als Beiträger bei Fox News auf, bevor er 2017 zum festen Moderator von Fox & Friends wurde. In dieser Zeit produzierte Rauchet das Wochenendformat des gleichen Programms. Beide waren zu diesem Zeitpunkt verheiratet.

Im August 2017 wurde ihre gemeinsame Tochter Gwen geboren. Hegseth war noch in zweiter Ehe mit Samantha Deering zusammen, mit der er drei Söhne hat. Rauchet war ebenfalls noch verheiratet und Mutter von drei Kindern. Einen Monat nach Gwens Geburt reichte Deering die Scheidung ein. Vanity Fair berichtete, Rauchet sei intern von Fox & Friends zu Watters‘ World versetzt worden, nachdem die Beziehung bekannt geworden war. Ein Führungsmitglied habe zuvor kritisiert, sie habe Hegseth bei der Sendezeitplanung bevorzugt behandelt.

Am 16. August 2019 heirateten beide im Trump National Golf Club in Colts Neck, New Jersey. Donald Trump war unter den Gästen, ebenso Sean Hannity und Ainsley Earhardt. Beide trugen Basecaps mit dem Aufdruck „Make Marriage Great Again“. Ihre Patchwork-Familie umfasst sieben Kinder: Gwens Halbgeschwister Boone, Rex und Gunner aus Hegseths zweiter Ehe, Rauchets Kinder Jackson, Luke und Kenzie aus ihrer ersten Ehe sowie die gemeinsame Tochter Gwen.


Ohne Titel, aber mittendrin: Rauchet und das Pentagon

Hegseths ersten Arbeitstag als Verteidigungsminister nutzte Rauchet dafür, Pentagon-Mitarbeitern Anweisungen zu erteilen. Sie bat das Ministeriumspersonal, die ersten Statements ihres Mannes vor Journalisten zusammenzustellen und über die sozialen Kanäle des Ministeriums zu verbreiten. Es war der 25. Januar 2025.

Was über ihre Stellung im Ministerium offiziell bekannt ist:

  • Kein offizieller Titel im Verteidigungsministerium
  • Keine bestätigte Sicherheitsfreigabe (öffentlich bis heute nicht bestätigt)
  • Keine Rechenschaftspflicht gegenüber dem Kongress
  • Anwesenheit bei Treffen mit ausländischen Militärvertretern bestätigt (Wall Street Journal, März 2025)

Am 6. März 2025 saß sie beim Gespräch zwischen Hegseth und dem britischen Verteidigungsminister John Healey im Pentagon. Britische Delegierte fragten hinterher, wer die Frau ohne Namensschild gewesen sei. Das Wall Street Journal berichtete, sie habe in diesem Zeitraum mindestens zwei solcher Treffen besucht, bei denen sensible Informationen besprochen wurden. Das Ministerium lehnte es ab zu sagen, ob Rauchet überhaupt eine Sicherheitsfreigabe besitzt.

Die Washington Post zitierte einen Ministeriumsmitarbeiter: Man habe regelmäßig Anweisungen von ihr erhalten, welche Videos ihr Mann drehen sollte, welche Aussagen er abgeben sollte und wie die Presse zu behandeln sei. Pentagon-Sprecher Kingsley Wilson erklärte gegenüber Journalisten, Rauchet habe „nie an einem Treffen teilgenommen, bei dem sensible oder klassifizierte Informationen besprochen wurden“. Das Wall Street Journal hatte zu diesem Zeitpunkt das Gegenteil bereits dokumentiert.

Im April 2025 berichtete CNN, Rauchet habe Unterlagen für eine Pentagon-Sicherheitsfreigabe eingereicht. Ob diese genehmigt wurde, ist öffentlich nicht bekannt.


Die Signal-Chats und der Generalinspekteur

Der erste Signalgate-Skandal, bei dem The Atlantic-Chefredakteur Jeffrey Goldberg versehentlich in einen Gruppenchat mit Vizepräsident JD Vance und anderen Sicherheitsbeamten aufgenommen wurde, betraf Rauchet nicht direkt. Der zweite schon.

Die New York Times berichtete am 21. April 2025, Hegseth habe seiner Frau, seinem Bruder Phil und seinem persönlichen Anwalt Tim Parlatore in einem separaten Signal-Gruppenchat Details zu den Luftangriffen auf Huthi-Milizen im Jemen weitergegeben. Darunter die Startzeiten der beteiligten Kampfflugzeuge für den 15. März 2025, also bevor die Angriffe stattfanden. Vier Personen mit direkter Kenntnis des Chats bestätigten den Bericht gegenüber der NYT. Rauchet hatte kein Mandat, diese Informationen zu erhalten.

Neun Tage später berichtete die Washington Post von einem dritten Chat: Rauchet, Pentagon-Sprecher Sean Parnell und die frühere Fox-Produzentin Tami Radabaugh, eine enge Freundin Rauchets und seit dem ersten Tag von Hegseths Amtszeit seine stellvertretende Assistentin für Öffentlichkeitsarbeit. Was in diesem dritten Chat besprochen wurde, ist nicht öffentlich bekannt.

Der Generalinspekteur des Pentagon stellte in einem späteren Befund fest, dass Hegseth gegen interne Vorschriften des Ministeriums verstoßen hatte, indem er sensible Informationen über ungesicherte Kanäle an nicht autorisierte Personen weitergab. Jennifer Rauchet stand auf dieser Liste.


Tucker Carlson und der Spitzname, den Kollegen benutzten

Als Tucker Carlson im April 2023 bei Fox News entlassen wurde, machten Gerüchte die Runde: Rauchet, damals Vizepräsidentin bei Fox Nation, soll einen bestimmten Carlson-Beitrag blockiert und damit seinen Abgang ausgelöst haben. Hegseth hätte direkt profitiert, da er als Nachfolger für Carlsons Sendeplatz gehandelt wurde. Mehrere Medien berichteten übereinstimmend, Kollegen hätten Rauchet hinter vorgehaltener Hand „Yoko Ono“ genannt.

Hegseth wies die Anschuldigungen auf X zurück: „The fakest news I’ve ever seen. My amazing wife @JennyHegseth had absolutely nothing to do with anything. Not one iota.“ Belege für eine direkte Beteiligung Rauchets wurden bis heute nicht veröffentlicht.


Stand Mai 2026: Sie sitzt weiterhin dabei

Pete Hegseth ist im Mai 2026 noch immer Verteidigungsminister. Die USA führen seit Anfang 2026 Krieg gegen den Iran, ein Konflikt, der nach Pentagon-Angaben bislang rund 25 Milliarden Dollar gekostet hat. Hegseth hat in seiner Amtszeit 24 Generäle entlassen.

Der Guardian veröffentlichte im Mai 2026 nach einer eigenen Untersuchung, dass Jennifer Rauchet weiterhin regelmäßig in offiziellen Sitzungen des Ministeriums anwesend ist. Mitarbeiter beschrieben übereinstimmend: Sie sitzt dabei, ohne Auftrag, ohne Protokolleintrag, ohne Mandat. Senator Chris Coons fasste es gegenüber Journalisten in drei Worten zusammen: „Not normal at all.“

Was das Verteidigungsministerium bis heute öffentlich nicht beantwortet hat: Wer trägt Verantwortung für Entscheidungen, an denen eine Person ohne Amt, ohne gesetzliche Freigabe und ohne demokratische Legitimation beteiligt war?

Daniela Seiler
Daniela Seilerhttps://apexmagazin.de/
Ich bin Daniela Seiler, Journalistin aus Holtland in Niedersachsen und Gründerin von Apex Magazin. Ich habe Journalismus studiert und danach vier Jahre in lokalen Verlagen gearbeitet, wo ich gelernt habe, dass Berichterstattung dann am stärksten ist, wenn man ihr nicht ausweicht, egal wie unbequem oder komplex das Thema ist. In dieser Zeit habe ich über ein breites Spektrum berichtet: Sportereignisse und Spielerporträts, nationale und internationale Nachrichten, gesellschaftliche Brennpunkte, Prominente und ihre Geschichten, Beziehungen und Hintergründe, Unterhaltung, Technologie, Gaming, Automobil, Wirtschaft und die Trendthemen, die Deutschland gerade wirklich beschäftigen. Kein Ressort war für mich jemals Pflichtprogramm. Ich habe mich für alle interessiert. Am 13. Mai 2026 habe ich Apex Magazin gegründet, weil ich ein Magazin aufbauen wollte, das keine künstlichen Grenzen zwischen Themen zieht und seinem Publikum gegenüber in jeder Zeile ehrlich bleibt. Hier schreibe ich selbst, jeden Tag, gemeinsam mit einem Team aus Redakteuren, Rechercheurinnen und Fachautoren, die denselben Anspruch teilen.

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