Kirsten Erl (* 7. Dezember 1966 in Herten; † 10. Februar 2017 in Dülmen) war eine deutsche Richterin. Bekannt wurde sie als TV-Richterin der RTL-Gerichtsshow „Das Jugendgericht“, in der sie vom 5. September 2005 bis zum Ende der Sendung am 2. Februar 2007 den Vorsitz führte. Vorher arbeitete sie am Amtsgericht Essen, nach dem Fernsehen wieder als Juristin. Dass die Fälle der Sendung erfunden waren, sagte sie im September 2005 selbst.
Inhaltsverzeichnis
Steckbrief
| Kategorie | Details |
|---|---|
| Geboren | 7. Dezember 1966 in Herten |
| Gestorben | 10. Februar 2017 in Dülmen, im Alter von 50 Jahren |
| Beruf | Richterin, zeitweise Fernsehrichterin |
| Ausbildung | Jurastudium in Münster, Referendariat in Essen |
| Vorgängerin bei RTL | Dr. Ruth Herz |
| Engagement | Tierschutz |
Vom Amtsgericht Essen zur TV-Richterin
Erl wuchs in Dülmen auf, studierte Rechtswissenschaft in Münster und machte ihr Referendariat in Essen. Danach arbeitete sie als Richterin am Amtsgericht Essen, nach Angaben der deutschen Wikipedia zunächst im Erwachsenenstrafrecht.
Wie sie zu dem Beruf kam, erzählte sie im September 2005 in einem Interview mit Quotenmeter, dessen erster Teil am 11. September erschien. In der letzten Schulklasse sei ihr aufgefallen, dass sie „einen sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn“ habe und gern zwischen Menschen vermittle. Später wechselte sie auf ein Angebot hin ins Jugendstrafrecht. Dort liege ihr daran, „Leute, die vielleicht einmal auf die schiefe Bahn gekommen sind“, zurückzuführen. Bei Menschen, die zum ersten oder zweiten Mal vor Gericht stehen, sei das „noch einfacher“.
Nachfolgerin von Ruth Herz bei RTL
Anfang August 2005 gab RTL bekannt, dass die Essener Richterin den Vorsitz im „Jugendgericht“ übernimmt. Sie folgte auf Dr. Ruth Herz, die die Sendung vier Jahre lang geleitet hatte und nun einem Ruf der Universität Oxford folgte, wo sie ein Forschungsprojekt über Medien und Justiz übernahm. Erl war 38 Jahre alt. RTL-Bereichsleiter Tom Sänger sagte laut DWDL, der Sender habe mit ihr „eine perfekte Nachfolgerin gefunden“, die durch ihre „sympathisch-direkte Art“ den Zuschauern „aus der Seele sprechen“ werde. Ebenfalls neu im Team waren Staatsanwalt Christopher Posch und Rechtsanwältin Alexandra Hagen.
Das Casting hatte Erl nach eigener Aussage zunächst nur zum Spaß mitgemacht.
Drehalltag in Köln
Für die Sendung ließ sich die Richterin beurlauben. „Für vorerst zwei Jahre bin ich jetzt beurlaubt“, sagte sie im Interview. Statt in Essen arbeitete sie nun in Köln. Gedreht wurde in hoher Taktung: „Wir produzieren in der Regel drei Folgen an einem Tag, manchmal sind es sogar vier.“
Zum Abschalten ging sie regelmäßig laufen. „Ich gehe regelmäßig laufen, schnappe mir meinen Hund und jogge mit ihm durch den Park“, sagte sie im zweiten Teil des Interviews. Zu ihren Lieblingssendungen zählte sie „Wer wird Millionär“. Lautes Streiten im Gerichtssaal mochte sie nicht: „Wenn zum Beispiel ganz viel geschrieen wird, wenn die Leute sich an die Gurgel gehen, das alles mag ich nicht so gerne.“
Scripted Reality: Was im „Jugendgericht“ echt war
Im zweiten Teil des Gesprächs, der am 18. September 2005 erschien, ging es um den Realitätsgrad der Sendung. Erl stellte klar:
„Unsere Fälle sind erfunden.“Kirsten Erl, Quotenmeter, 18. September 2005
Die Redaktion habe sich die Fälle ausgedacht und dabei an der Realität bedient, etwa an Meldungen aus Zeitung und Radio. Den Ablauf einer Verhandlung beschrieb sie als realitätsnah: „Der Gang der Hauptverhandlung, die Formalien und alles das entspricht den wirklichen Umständen.“ Verdichtet werde vor allem die Zeit. „So ein Prozess dauert im wirklichen Leben mehrere Verhandlungstage. Wir beim Fernsehen machen das in einer Stunde.“ Und noch etwas gehöre zum Format: „Am Ende bauen wir meistens noch eine Überraschung ein.“
| Bestandteil | Einordnung nach Erl |
|---|---|
| Richterin | Echt, Erl war Richterin am Amtsgericht Essen |
| Ablauf und Formalien | Wie in einer echten Hauptverhandlung |
| Fälle | Erfunden, angelehnt an Zeitungs- und Radiomeldungen |
| Dauer eines Prozesses | Auf eine Stunde verdichtet |
Umbau zur Crime-Doku und Aus im Februar 2007
„Das Jugendgericht“ lief seit dem 3. September 2001 bei RTL. Im Sommer 2006 baute der Sender die Sendung zur Crime-Doku um. Staatsanwalt Posch rückte in den Mittelpunkt, neue Sets wie Kriminaltechnik und Polizeipräsidium kamen hinzu. Zuletzt spielte sich nur noch rund ein Drittel der Sendezeit im Verhandlungssaal ab.
Am 14. Dezember 2006 meldete Quotenmeter das Aus. An wirklich schlechten Quoten könne es nicht gelegen haben, hieß es dort: In der Woche davor kam die Sendung im Schnitt auf rund 15,5 Prozent Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen, bei starken Schwankungen zwischen knapp 13 und 18 Prozent.
15,5 % Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen, Schnitt der Woche vor der Meldung
13 bis 18 % Schwankung der einzelnen Folgen in dieser Woche
⅓der Sendezeit spielte zuletzt noch im Verhandlungssaal
Die letzte Folge lief am 2. Februar 2007, nach rund 17 Monaten unter Erls Vorsitz. Am Montag darauf startete um 16 Uhr das Nachfolgeformat „Staatsanwalt Posch ermittelt“. Erl war dort nicht mehr zu sehen, die Urteile verkündete ein Off-Sprecher.
Rückkehr ans Amtsgericht nach dem Fernsehen
Erl gehe „zurück ans Amtsgericht“ und urteile „wieder in richtigen Straffällen“, schrieb Quotenmeter im Dezember 2006. Laut Wikipedia arbeitete sie danach wieder als Juristin und engagierte sich im Tierschutz. Zu ihrer späteren Tätigkeit gibt es keine genaueren Angaben.
Tod im Februar 2017: Was bekannt ist
Erl starb am 10. Februar 2017 in Dülmen im Alter von 50 Jahren. Zur Todesursache von Kirsten Erl liegen keine veröffentlichten Angaben vor. Weder die deutsche Wikipedia, die auf eine Traueranzeige der WAZ verweist, noch DWDL nennt eine. DWDL erinnerte im Februar 2023 beim Tod von Ruth Herz an ihre Nachfolgerin, die „vor sechs Jahren im Alter von nur 50 Jahren“ gestorben sei.
Mutmaßungen in Internetforen und auf Ratgeberseiten stützen sich auf keine nachprüfbare Quelle. Auch zu Familie und Privatleben sind keine belegten Angaben veröffentlicht.
Zeitleiste von 1966 bis 2017
- 7. Dezember 1966Geburt in Herten.
- 3. September 2001„Das Jugendgericht“ startet bei RTL mit Ruth Herz.
- Anfang August 2005RTL gibt bekannt, dass Erl die Nachfolge übernimmt.
- 5. September 2005Erste Folge unter ihrem Vorsitz.
- 11. und 18. September 2005Quotenmeter veröffentlicht das Interview in zwei Teilen.
- Sommer 2006Umbau zur Crime-Doku.
- 14. Dezember 2006Quotenmeter meldet das Ende der Reihe.
- 2. Februar 2007Letzte Folge. Am 5. Februar startet „Staatsanwalt Posch ermittelt“.
- 10. Februar 2017Tod in Dülmen.
Quellen:
- Wikipedia: Kirsten Erl
- Quotenmeter: Sonntagsfragen an Kirsten Erl, 11. September 2005
- Quotenmeter: Sonntagsfragen an Kirsten Erl, Teil II, 18. September 2005
- DWDL: Dr. Ruth Herz verlässt „Das Jugendgericht“, August 2005
- Quotenmeter: Urteil gefällt: Aus für das „Jugendgericht“, 14. Dezember 2006
- DWDL: Frühere TV-Richterin Ruth Herz mit 79 Jahren gestorben, 10. Februar 2023

