Hila Bronstein wurde 2001 durch die Castingshow Popstars bekannt und gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Band Bro’Sis, die mit der Single „I Believe“ auf Platz eins der deutschen Charts stand. Nach der Trennung der Band im Jahr 2006 wurde es leiser um sie, bis ein Comeback-Gerücht im Jubiläumsjahr 2021 noch einmal kurz Aufmerksamkeit brachte.
Bandkollege Giovanni Zarrella machte diesen Hoffnungen damals ein schnelles Ende:
„Es wird kein Bro’Sis-Comeback geben. Nicht als Duo, nicht als Trio, nicht als Quartett, nicht als Quintett und auch nicht zu sechst.“
Das sagte er im Frühjahr 2021 dem Spiegel, nachdem Fans nach zwanzig Jahren wieder auf eine Reunion gehofft hatten. Fünf ehemalige Mitglieder stecken in diesem Satz, ohne dass ein einziger Name genannt wird. Eine von ihnen ist Bronstein. Es ist bis heute einer der letzten öffentlichen Hinweise darauf, dass es sie überhaupt noch gibt.
Inhaltsverzeichnis
Bro’Sis in Kürze
- Gegründet: 11. November 2001, durch die Castingshow Popstars
- Mitglieder: sechs, gecastet aus 33 Kandidatinnen und Kandidaten
- Größter Hit: „I Believe“, Platz eins der deutschen Charts
- Auflösung: 2006, nach drei Studioalben
Kindheit zwischen Tel Aviv und Frankfurt
Bronstein wurde am 26. Juli 1983 in Tel Aviv geboren, als zweite Tochter des israelischen Schlagzeugers und Songwriters Amir Bronstein und seiner Frau Mary-Christine, einer Sängerin aus Kenia. Mit zwei Jahren verließ sie mit ihrer Familie Israel, über einen einjährigen Zwischenstopp in Amsterdam kam die Familie schließlich nach Frankfurt am Main. Dort wuchs Hila dreisprachig auf, zwischen Hebräisch, Deutsch und Englisch, besuchte die Musterschule und nahm Theater und Tanzunterricht.
Wie ernst es ihr mit der Musik war, zeigte sich früh: Mit sechs Jahren stand sie bei der Mini Playback Show auf der Bühne und sang „Eternal Flame“ von The Bangles, lange bevor überhaupt an eine Karriere zu denken war.
Der Weg über Popstars
2001 entschied sie sich, bei der zweiten Staffel von Popstars vorzusingen, und überzeugte die Jury mit „Show Me Heaven“. Bis zur endgültigen Besetzung durchlief sie ein straffes Programm aus Tanztraining bei Detlef Soost, Gesangscoaching bei Artemis Gounaki und einem zweiwöchigen Workshop auf Ibiza, bei dem von 33 Kandidatinnen und Kandidaten am Ende nur acht übrig blieben.
Am 11. November 2001 verkündeten die Juroren Soost und Alex Christensen in einer Sondersendung die finale Besetzung: Ross Antony, Hila Bronstein, Shaham Joyce, Faiz Mangat, Indira Weis und Giovanni Zarrella. Die Band bekam den Namen Bro’Sis.
Chartsieg und Trennung
Noch im selben Jahr, am 10. Dezember 2001, erschien die von Alex Christensen produzierte Debütsingle „I Believe“ in Deutschland, Österreich und der Schweiz und schoss direkt auf Platz eins. Das Debütalbum „Never Forget (Where You Come From)“ bestätigte den Erfolg, ergänzt um weitere Hits wie „Do You“ und „Heaven Must Be Missing an Angel“.
2003 verließ Indira Weis die Band. Die verbliebenen fünf machten weiter und veröffentlichten mit „Days of Our Lives“ und „Showtime“ zwei weitere Alben, die kommerziell jedoch schwächer abschnitten als der Anfang. Das Label wechselte, interne Spannungen nahmen zu, und 2005 kündigte die Band zunächst eine Pause an, die ein Jahr später zur endgültigen Trennung wurde.
Neben der Bandarbeit modelte Bronstein für Magazine wie Max, JOY Celebrity, Yam und Maxim, und für kurze Zeit war sie mit Bandkollege Faiz Mangat liiert.
Die Jahre nach Bro’Sis
Nach dem Ende der Band verschwand die frühere Popstars-Kandidatin nicht komplett von der Bühne. Sie gab kleinere Konzerte im Frankfurter Raum, sang eine Weile bei der Coverband Me and the Heat und blieb über Jahre hinweg als Gastsängerin und Co-Autorin aktiv:
- 2005: „Warum?“ mit Curse, für die Compilation Victory 2
- 2006: „Thank U“ mit Rasul, für das Mixtape Opium Volume 2
- 2006: „Loosing myself“, ihr erster Solosong, veröffentlicht über MySpace
- 2008: „Eine Chance“ mit Franky Kubrick, auf dessen Album DramaKing
- 2008: „Streben nach Glück“ mit Mnemonic, für DJ Kitsunes Victory-Reihe
- 2010: „Musik“ mit Griot, auf dessen Album miCH
- 2011: „Welcome Home“ mit Rasul, auf dem Album Writing Colours
- 2012: „Heartbreaker“, auf der Compilation Yosoy Records
Auffällig ist, was in dieser Liste fehlt: Ein eigenes Soloalbum unter ihrem Namen ist in keiner der verfügbaren Quellen verzeichnet. Bronstein blieb musikalisch aktiv, aber eher im Hintergrund, als gefragte Gastsängerin statt als Solokünstlerin im klassischen Sinn. Auch als Songwriterin arbeitete sie für andere: Der Song „No One Loves You (Like I Do)“ auf Loonas Album „Moonrise“ stammt aus ihrer Feder, entstanden mehrere Jahre vor der Veröffentlichung aus Liebeskummer, wie es in ihrer Biografie heißt.
Das Jubiläumsjahr 2021
Im Jubiläumsjahr 2021, zwanzig Jahre nach der Bandgründung, trafen sich Ross Antony und Giovanni Zarrella im Studio und nahmen „I Believe“ und „Do You“ neu auf, das erste Mal seit der Trennung, dass zwei Mitglieder wieder gemeinsam Bro’Sis-Songs sangen. Die Boulevardpresse witterte ein großes Comeback, ähnlich dem der No Angels im selben Jahr.
Zarrella dämpfte die Erwartungen schnell, wie eingangs zitiert. In der Berichterstattung rund um diese Aufnahmen fand sich im Mai 2021 auch die bislang konkreteste Information über Bronsteins damaligen Alltag: Sie arbeitete zu diesem Zeitpunkt beim Bodenpersonal der Lufthansa, sang aber weiterhin und schrieb Songs, unter anderem für Loona. Zwei Jahre später, 2023, bekräftigte auch Ross Antony gegenüber der Bunten, dass jedes ehemalige Mitglied inzwischen seinen eigenen Weg gehe.
Die Lücke, die bis heute besteht
Seit der Berichterstattung rund um das Jubiläum gibt es keine neuere, belastbare Quelle mehr, die eigens über die Musikerin berichtet. Keine Interviews, keine neuen Songveröffentlichungen, keine bestätigten Auftritte in den vergangenen Jahren.
Wer online nach ihr sucht, findet stattdessen einiges, das mit der Realität wenig zu tun hat. Ein Ticketportal führt sie als angebliche Konzertkünstlerin der Jahre 2025 und 2026 und beschreibt sie als einen der gefragtesten Pop-Acts der aktuellen Musikszene, obwohl kein einziges reales Konzert dahintersteckt. Auch ein IMDb-Eintrag, der unter demselben Namen eine Set-Dekorateurin mit einem Filmcredit aus dem Jahr 2011 führt, lässt sich mit keiner anderen Quelle in Einklang bringen und dürfte eine Namensverwechslung sein. Solche Einträge sind kein Einzelfall, sie zeigen, wie leicht rund um einen früher bekannten Namen automatisch erzeugte Inhalte im Netz kursieren, ganz ohne redaktionelle Prüfung.
Was sich dagegen unabhängig bestätigen lässt: Bronstein hat die Musik nie ganz aufgegeben. Songwriting-Credits und die Angaben aus dem Jahr 2021 deuten darauf hin, dass sie im Hintergrund weiterarbeitet, ohne den öffentlichen Rummel, der ihre früheren Bandkollegen Zarrella und Antony bis heute begleitet.
Eine von sechs
Von den sechs Namen, die am 11. November 2001 in dieser Sondersendung verlesen wurden, ist heute vor allem einer regelmäßig im deutschen Fernsehen zu sehen. Popstars und ähnliche Castingformate sind darauf ausgelegt, Menschen für einen Moment sichtbar zu machen. Was danach passiert, hängt von jedem Einzelnen ab, denn ein System, das diese Sichtbarkeit über Jahre hält, gibt es nicht.
Bei Bronstein gab es keinen Skandal und keinen spektakulären Absturz, aber auch keine große Rückkehr in die Öffentlichkeit. Geblieben ist eine Musikerin, die offenbar weiterarbeitet, während sich das öffentliche Interesse längst anderen Namen aus derselben Band zugewandt hat.
Quellen: Hila Bronstein bei Wikipedia · t-online: Bro’Sis-Comeback? Giovanni Zarrella spricht Klartext · bigFM: Ross Antony zum Bro’Sis-Comeback · aedt.de: Bro’Sis-Revival · Bro’Sis bei Wikipedia (englisch)

