Brigitte Seebacher: Von Willy Brandts Rednerin zur Stimme für eine Öffnung nach rechts

Ende März 2026 meldet sich Brigitte Seebacher mit einem Gastbeitrag in der Welt zurück in die politische Debatte. Sie rät der CDU, eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht länger auszuschließen. Ihr Name gehört seit Jahren auch zu einer anderen Liste, dem Kuratorium der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung, das per Bundesgesetz verpflichtet ist, das politische Erbe Willy Brandts zu bewahren.

Wer Seebacher bislang nur als Witwe des früheren Bundeskanzlers kennt, bekommt hier eine andere Seite zu sehen. Ihre Distanz zur SPD reicht Jahrzehnte zurück.



Wer ist Brigitte Seebacher?

Brigitte Seebacher wurde am 23. September 1946 in Twistringen geboren. Sie hat in Geschichte promoviert, arbeitete jahrzehntelang als Journalistin und gilt heute als eine der bekanntesten Chronistinnen der deutschen Sozialdemokratie.

Bekannt wurde sie vor allem durch ihre dritte Ehe mit Willy Brandt. Ihre eigene berufliche Laufbahn begann allerdings lange davor und reicht bis heute weiter, als es die meisten Kurzporträts über sie zeigen.

Steckbrief: Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

KategorieAngabe
Geboren23. September 1946, Twistringen
BerufHistorikerin, Journalistin, Publizistin
AusbildungGeschichte und Germanistik in Bonn, Köln, FU Berlin
Promotion1984, Berlin, betreut von Ernst Nolte
SPD Mitgliedschaft1965 bis 1995
Ehe mit Willy Brandt1983 bis zu seinem Tod 1992
Ehe mit Hilmar Kopper2003 bis zu seinem Tod 2021
Aktuelle FunktionKuratoriumsmitglied auf Lebenszeit, Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung
LehrtätigkeitUniversität Bonn, seit 2008 Honorarprofessorin

Von der Journalistin zur Redenschreiberin

Bevor sie an Brandts Seite bekannt wurde, hatte Seebacher bereits eine eigene journalistische Karriere. Von 1973 bis 1977 leitete sie als Chefredakteurin die sozialdemokratische Zeitung Berliner Stimme. Anschließend wechselte sie in die Pressestelle des SPD Parteivorstands in Bonn.

Dort lernte sie 1977 Willy Brandt kennen. Er wird rasch auf sie aufmerksam und macht sie zu seiner persönlichen Redenschreiberin. Ab 1978 sind die beiden ein Paar, 1983 heiraten sie. Es ist Brandts dritte Ehe.

Die folgenden Jahre sind geprägt von enger Zusammenarbeit:

  • Sie wirkt an seiner Abschiedsrede als Parteivorsitzender 1987 mit.
  • Sie ist an seinen 1989 erschienenen Erinnerungen beteiligt.
  • Als 1991 Krebs bei Brandt diagnostiziert wird, pflegt sie ihn bis zu seinem Tod.

Willy Brandt stirbt am 8. Oktober 1992 in Unkel, dem gemeinsamen Wohnort am Rhein.

Die Sache mit der zweiten Ehefrau

Ein Detail aus dieser Zeit wird bis heute diskutiert. Rut Brandt, die zweite Ehefrau des Kanzlers und Mutter seiner drei Söhne, nimmt nicht am Staatsakt und an der Beisetzung teil. Sie war nicht eingeladen worden.

In den Jahren danach kursiert die Behauptung, Seebacher habe diese Ausladung aktiv betrieben. Belege dafür gibt es laut Wikipedia bis heute keine. Peter Brandt, einer der Söhne, sagte später, seine Mutter hätte auch bei einer Einladung nicht teilgenommen, aus eigener Entscheidung. Egon Bahr bestätigte diese Version Jahre später öffentlich.

Die Episode zeigt, wie früh Seebachers Rolle innerhalb der Familie und der SPD Öffentlichkeit umstritten war, lange bevor ihre eigenen Bücher zum eigentlichen Streitpunkt wurden.

Eine Biografie, die Streit auslöste

2004 veröffentlicht Seebacher ihre eigene Biografie über Willy Brandt. Er selbst hatte sich vor seinem Tod gewünscht, dass seine Frau ein Buch über ihn schreibt.

Das Ergebnis sorgt für erheblichen Widerstand in der Fachwelt. Die Rezension auf H-Soz-Kult, einer der wichtigsten Plattformen für geschichtswissenschaftliche Fachkritik in Deutschland, beschreibt das Buch als stark subjektiv gefärbt und wirft der Autorin vor, an vielen Stellen nicht klar zu trennen, welche Gedanken von Brandt stammen und welche von ihr selbst.

Besonders umstritten ist ihre Darstellung von Herbert Wehner, dem langjährigen SPD Fraktionsvorsitzenden. Seebacher rückt dessen Kontakte zur DDR Führung in die Nähe landesverräterischer Absichten, eine Deutung, die viele Historiker und Weggefährten scharf zurückweisen. Der Stern widmet ihr damals eine Titelgeschichte mit dem Titel Die unheimliche Witwe.

Zwischen Deutscher Bank und zweiter Ehe

Nach Brandts Tod verlässt Seebacher 1995 die SPD, der sie seit 1965 angehört hatte. Von 1995 bis 2000 leitet sie die Abteilung Kultur und Gesellschaft der Deutschen Bank.

2003 heiratet sie in zweiter Ehe den Bankmanager Hilmar Kopper, von 1989 bis 1997 Vorstandssprecher der Deutschen Bank und von 1990 bis 2007 Aufsichtsratschef von Daimler. Sie nimmt seinen Namen an und heißt seither Brigitte Seebacher. Kopper stirbt am 11. November 2021 im Alter von 86 Jahren in Rothenbach im Westerwald. Seebacher hat damit sowohl einen Bundeskanzler als auch einen der einflussreichsten Bankmanager der Nachkriegszeit überlebt.

Parallel dazu bleibt sie akademisch aktiv. Seit 2002 lehrt sie an der Universität Bonn, seit 2008 als Honorarprofessorin.

Ein Aufruf zur Öffnung nach rechts

Anlass ist die Situation in Rheinland-Pfalz. Die CDU geht als klarer Wahlsieger aus den Koalitionsverhandlungen hervor, während die SPD deutliche Verluste hinnehmen muss.

In ihrem Gastbeitrag für die Welt beschreibt Seebacher den Zustand ihrer früheren Partei, wie die Junge Freiheit aus dem Text zitiert: Die SPD sei eine Partei, die sich frage, wer das Licht ausmacht oder sich die Überreste aneignet. Bündnisse mit einer solchen Partei könnten nach ihrer Einschätzung nicht von Dauer sein.

Die Hürden einer Öffnung nach rechts seien zwar hoch, aber nicht in Stein gemeißelt, schreibt sie weiter. Die AfD nennt sie in dem Beitrag nicht beim Namen, die Richtung der Empfehlung lässt sich trotzdem kaum missverstehen.

In dem Beitrag kommt ihre eigene Rolle im Kuratorium der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung nicht vor. Seebacher gehört dem Gremium seit Jahren auf Lebenszeit an.

Was diese Geschichte über Seebacher zeigt

Ihre öffentliche Autorität stützt sich bis heute vor allem auf ihre Nähe zu Willy Brandt. Mit dieser Autorität empfiehlt sie nun eine Politik, die sich mit seinem Erbe kaum vereinbaren lässt.

Die Distanz zur SPD beginnt früh, mit dem Buch Die Linke und die Einheit von 1991, bekräftigt durch den Parteiaustritt 1995. Der Gastbeitrag aus dem Jahr 2026 setzt diese Linie fort, diesmal so direkt formuliert wie nie zuvor.

Öffentlich reagiert hat das Kuratorium bislang nicht. Seebacher gehört dem Gremium weiterhin an, auf Lebenszeit berufen, mit dem gesetzlichen Auftrag, das politische Erbe Willy Brandts zu bewahren. Von diesem Erbe hat sich ihr eigener Beitrag für die Welt deutlich entfernt.

Häufige Fragen zu Brigitte Seebacher

War Brigitte Seebacher mit Willy Brandt verheiratet?

Ja, von 1983 bis zu seinem Tod 1992. Es war Brandts dritte Ehe.

Ist sie noch Mitglied der SPD?

Nein. Sie trat 1995 aus der Partei aus, drei Jahre nach Brandts Tod.

Was macht sie heute beruflich?

Sie lehrt als Honorarprofessorin an der Universität Bonn, sitzt im Kuratorium der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung und veröffentlicht weiterhin Bücher und Gastbeiträge zur deutschen Politik.

Welche Bücher hat sie veröffentlicht?

Unter anderem Biografien über Erich Ollenhauer, August Bebel und Willy Brandt sowie zuletzt Hundert Jahre Hoffnung und ein langer Abschied aus dem Jahr 2023.


Quellen: Wikipedia, Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung, H-Soz-Kult Rezension, Junge Freiheit, t-online

Daniela Seiler
Daniela Seilerhttps://apexmagazin.de/
Ich bin Daniela Seiler, Journalistin aus Holtland in Niedersachsen und Gründerin von Apex Magazin. Ich habe Journalismus studiert und danach vier Jahre in lokalen Verlagen gearbeitet, wo ich gelernt habe, dass Berichterstattung dann am stärksten ist, wenn man ihr nicht ausweicht, egal wie unbequem oder komplex das Thema ist. In dieser Zeit habe ich über ein breites Spektrum berichtet: Sportereignisse und Spielerporträts, nationale und internationale Nachrichten, gesellschaftliche Brennpunkte, Prominente und ihre Geschichten, Beziehungen und Hintergründe, Unterhaltung, Technologie, Gaming, Automobil, Wirtschaft und die Trendthemen, die Deutschland gerade wirklich beschäftigen. Kein Ressort war für mich jemals Pflichtprogramm. Ich habe mich für alle interessiert. Am 13. Mai 2026 habe ich Apex Magazin gegründet, weil ich ein Magazin aufbauen wollte, das keine künstlichen Grenzen zwischen Themen zieht und seinem Publikum gegenüber in jeder Zeile ehrlich bleibt. Hier schreibe ich selbst, jeden Tag, gemeinsam mit einem Team aus Redakteuren, Rechercheurinnen und Fachautoren, die denselben Anspruch teilen.

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