Hadnet Tesfai moderierte die Berlinale und spielt im Kino mit

Hadnet Tesfai, Jahrgang 1979, ist Radio- und Fernsehmoderatorin, Schauspielerin und DJ. Sie wurde im heutigen Eritrea geboren, wuchs in Göppingen auf und lebt in Berlin. Von 2022 bis 2024 moderierte sie bei der Berlinale die Eröffnungsgala und die Verleihung der Bären.

Am 12. November 2026 soll der Kinofilm „Drei Kameradinnen“ starten, in dem sie mitspielt. Im April 2024 hatte Kulturstaatsministerin Claudia Roth im Kulturausschuss des Bundestags gesagt, die Moderatorin der Berlinale-Preisverleihung hätte einschreiten müssen. Tesfai widersprach einigen Aussagen aus dieser Sitzung am 13. April auf Instagram.



Steckbrief

Alter47 Jahre, Jahrgang 1979 (abgeleitet aus der Altersangabe des STZ Magazins von 2022)
Geborenin Mendefera, damals Äthiopien, heute Eritrea
Name in tigrinischer Schriftሓድነት ተስፋይ
Schule und StudiumSchule in Göppingen, Studium in Berlin (Politikwissenschaft, Arabistik, Nordamerika-Studien)
WohnortBerlin
BerufModeratorin für Radio, Fernsehen und Events, Schauspielerin, DJ, Podcasterin
Familieverheiratet, zwei Kinder
Größe165 cm (Angabe ihrer Agentur)

Berlinale 2022 bis 2024 auf der Gala-Bühne

Die Berlinale moderierte Tesfai drei Jahre in Folge. 2022 führte sie durch die Eröffnung der 72. Festspiele und den Abend der Goldenen Bären. 2023 stand sie bei der Eröffnung am 16. Februar gemeinsam mit Jo Schück auf der Bühne, die Bärenverleihung am 25. Februar moderierte sie laut 3sat allein. Auch 2024 eröffnete sie das Festival am 15. Februar mit Schück und moderierte die Preisverleihung am 24. Februar, wie ihre ZDF-Biografie festhält. Die Berliner Zeitung nannte sie vor der Eröffnung 2024 ein Gesicht des Festivals und zählte für sie mindestens acht rote Teppiche.

Außerhalb der Berlinale moderierte sie laut Veranstalter- und Agenturangaben unter anderem diese Veranstaltungen.

  • GQ Men of the Year 2022
  • Invictus Games in Düsseldorf, September 2023, nach Angaben ihrer Agentur mit Prinz Harry auf der Bühne
  • Deutscher Jazzpreis, EMAs und VOGUE Forces of Fashion

Die Preisverleihung vom 24. Februar 2024 und die Zuständigkeitsfrage

Bei der Preisverleihung äußerten sich mehrere Preisträger zum Gaza-Krieg, Teile der Politik kritisierten die Beiträge als einseitig. Am 10. April 2024 befasste sich der Kultur- und Medienausschuss des Bundestags in einem Fachgespräch mit den Vorfällen (Zusammenfassung des Bundestags).

WerAussageDatum
Claudia Roth, KulturstaatsministerinDie Moderatorin hätte dem Genozid-Vorwurf eines Preisträgers gegen Israel widersprechen müssen. Selbst habe sie als Staatsministerin nicht eingreifen dürfen.10. April 2024
Mariette Rissenbeek, frühere Berlinale-GeschäftsführerinDie Verantwortung für die Moderation habe beim ZDF gelegen, alle Moderatoren seien vorab über die Leitlinien informiert worden. Einen Vorwurf gegen die Moderation erhob sie nicht.10. April 2024
ZDF3sat habe die Galas übertragen, die inhaltliche Verantwortung liege vertraglich bei der Berlinale als Veranstalterin.11. April 2024
Tesfai, ModeratorinSie widersprach auf Instagram einigen Aussagen aus der Sitzung.13. April 2024

Roth erklärte laut Jüdischer Allgemeiner, ihr sei nicht klar gewesen, dass das ZDF für Eröffnung und Preisverleihung zuständig war und die Moderatoren stellte. Tesfai schrieb nach Angaben des Tagesspiegel, sie müsse einigen Aussagen vom Mittwoch vehement widersprechen, und wehrte sich gegen den Vorwurf, sie habe Absprachen ignoriert. Zu den Absprachen vor der Gala gehen die Darstellungen auseinander.

Flucht aus Eritrea und Jugend in Göppingen

Tesfai floh 1982 im Alter von drei Jahren mit ihrer Familie vor dem Bürgerkrieg aus dem heutigen Eritrea nach Deutschland. Die Familie lebte danach in Göppingen, sie hat drei Geschwister. Im STZ Magazin erzählt sie, dass sich 1979, in ihrem Geburtsjahr, in Eritrea Befreiungsarmeen zusammenschlossen.

„Deshalb heiße ich Hadnet, was übersetzt so viel wie Einheit bedeutet.“ (STZ Magazin, 30. September 2022)

An ihrer Schule war sie das einzige Schwarze Mädchen, wie sie der Stuttgarter Zeitung erzählte. Im Podcast Halbe Katoffl berichtet sie, ihre Eltern hätten die Kinder auf feindselige Begegnungen vorbereitet. Zu Rassismus sagt sie dort: „Es kann einen traurig machen, aber es überrascht mich nicht.“ Eine enge eritreische Gemeinde hat ihre Bindung an das Herkunftsland der Eltern gehalten, heißt es in der Beschreibung der Folge.

Als Jugendliche arbeitete sie freitags in der Göppinger „Wunderbar“ und fuhr danach nach Stuttgart. Mal war sie das Hip-Hop-Girl beim Jam im Jugendhaus West, eine Woche später das R’n’B-Girl im Klub „Buddha“, erzählt sie im STZ Magazin. Ihren Eltern sei Bildung wichtig gewesen. Nach der Schule zog sie zum Studium nach Berlin.

Vom Berliner Radio zu MTV und ins Fernsehen

Mit 20 begann Tesfai bei Kiss FM in Berlin ihre Ausbildung zur Moderatorin, danach arbeitete sie sechs Jahre bei Radio Fritz. Der Weg ins Fernsehen führte über den rbb, MTV und mehrere Privat- und Kultursender.

ZeitraumSenderAufgabe
ab 1999Kiss FM, BerlinAusbildung zur Moderatorin
2000 bis 2006Radio Fritz (rbb)Radiomoderation
2003 und 2004rbb Fernsehenerste kleinere Moderationen
2008 bis 2010MTV Germany„MTV Urban“, „TRL“
ab 2012ZDFkulturMagazin „Der Marker“
Sommer 2014Artesechsteilige Reihe „The 90s in Music“
mehrere JahreProSiebenCo-Moderation von „red!“ (vier Jahre laut turi2)
ab 2015RTL NitroReporterin bei Länderspielen
ab 2021SWRTalkformat „Five Souls“
2024ZDFneo„Love Hunters“ mit Paartherapeutin Birgit Fehst

Für Arte moderierte sie auch die Dokumentationen „Palace of Groove“ und „30 Jahre Techno“. Zum Team der wöchentlichen rbb-Kultursendung gehört sie laut Biografie des Internationalen Literaturfestivals Berlin 2026.

Schauspiel, Podcast und Medienkompetenz

Vor der Kamera stand sie in der ZDF-Krimireihe „Nachtschicht“ von Lars Becker, Folge „Reise in den Tod“. 2023 spielte sie in „Elaha“ von Milena Aboyan, der mehrfach für den Deutschen Filmpreis nominiert war. In „Drei Kameradinnen“, wieder unter Aboyans Regie und nach einer Vorlage von Shida Bazyar, übernimmt sie laut Agentur die Rolle der Senait. Zur Besetzung gehören unter anderem Bayan Layla und Meret Becker.

Der Film erzählt von drei Kindheitsfreundinnen, die sich zur Hochzeit einer Freundin in ihrer früheren Siedlung wiedersehen, als ein Wohnhaus brennt. Eine von ihnen wird als Hauptverdächtige festgenommen.

Im Podcast „Tratsch und Tacheles“ geht es laut Tagesspiegel um Klischees in Boulevardmedien. Dort sagt sie, als Frau und Schwarze Person sehe sie sich selbst immer wieder mit Ausgrenzung konfrontiert. Als Botschafterin der Initiative SCHAU HIN! hält sie Medienkompetenz für Kinder und Jugendliche für wichtig. Am 19. Mai 2026 stand sie im Programm der re:publica in Berlin, unter anderem in einer Session mit Tom Tykwer. Für den 15. September 2026 kündigte die Urania Berlin ein Gespräch von Tesfai mit dem Schulleiter Engin Çatık an.

Familie und Privates

Laut der Initiative SCHAU HIN!, für die sie als Botschafterin auftritt, ist Tesfai verheiratet und Mutter zweier Kinder. Im Interview mit wmn.de sagte sie, sie habe sich schon früher mit ihrem Schwarzsein beschäftigt, seit sie Mutter ist noch intensiver. Sie lebt in Berlin.

Fragen und Antworten

Wie alt ist Hadnet Tesfai?

Sie wurde 1979 geboren, ein genaues Geburtsdatum ist nicht veröffentlicht. Das STZ Magazin nannte sie im September 2022 eine 43-Jährige, nach dieser Angabe ist sie im Oktober 2026 47 Jahre alt.

Woher stammt die Moderatorin?

Sie wurde in Mendefera geboren, das damals zu Äthiopien gehörte und heute in Eritrea liegt. Seit 1982 lebt sie in Deutschland.

Ist sie verheiratet, hat sie Kinder?

Ja, sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Was hat sie bei der Berlinale moderiert?

Von 2022 bis 2024 die Eröffnung und die Verleihung der Bären.

Wo ist sie aktuell zu sehen?

Im Kino soll ab dem 12. November 2026 „Drei Kameradinnen“ laufen. Dazu kommt die wöchentliche rbb-Kultursendung, zu deren Team sie laut Biografie des Literaturfestivals gehört.

Daniela Seiler
Daniela Seilerhttps://apexmagazin.de/
Ich bin Daniela Seiler, Journalistin aus Holtland in Niedersachsen und Gründerin von Apex Magazin. Ich habe Journalismus studiert und danach vier Jahre in lokalen Verlagen gearbeitet, wo ich gelernt habe, dass Berichterstattung dann am stärksten ist, wenn man ihr nicht ausweicht, egal wie unbequem oder komplex das Thema ist. In dieser Zeit habe ich über ein breites Spektrum berichtet: Sportereignisse und Spielerporträts, nationale und internationale Nachrichten, gesellschaftliche Brennpunkte, Prominente und ihre Geschichten, Beziehungen und Hintergründe, Unterhaltung, Technologie, Gaming, Automobil, Wirtschaft und die Trendthemen, die Deutschland gerade wirklich beschäftigen. Kein Ressort war für mich jemals Pflichtprogramm. Ich habe mich für alle interessiert. Am 13. Mai 2026 habe ich Apex Magazin gegründet, weil ich ein Magazin aufbauen wollte, das keine künstlichen Grenzen zwischen Themen zieht und seinem Publikum gegenüber in jeder Zeile ehrlich bleibt. Hier schreibe ich selbst, jeden Tag, gemeinsam mit einem Team aus Redakteuren, Rechercheurinnen und Fachautoren, die denselben Anspruch teilen.

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