Anton Wempner: Wer ist Rolf Beckers Adoptivsohn heute?

Am Abend des 5. Dezember 2012 schalteten 3,92 Millionen Menschen in Deutschland zur Hauptsendezeit ein. Sie sahen einen Film über einen Jungen, den niemand in seiner Klasse verstand. Der Elfjährige vor der Kamera spielte eine Figur, die ihm näher war, als irgendjemand damals öffentlich zugegeben hatte.

Anton Wempner, geboren um 2001 in Hamburg, ist ein deutscher Kinderdarsteller und Visual-Effects-Fachmann. Als Adoptivsohn von Rolf Becker und Sylvia Wempner wuchs er in Hamburg auf. Bekannt wurde er durch seine Hauptrolle im ARD-Spielfilm Zappelphilipp (2012), der beim internationalen FIPA-Festival in Biarritz mit dem Hauptpreis ausgezeichnet wurde. Seit 2022 arbeitet er im Bereich Visual Effects beim Berliner Studio Lumatic Animation & VFX GmbH.



Projekt Findelbaby: Wie Anton zur Familie Becker kam

Anton kam durch Hamburgs Projekt Findelbaby zu der Familie, die ihn aufzog. Das Projekt, 1999 vom Verein SterniPark e.V. gegründet, richtet sich an Mütter in Notlage. Über Babyklappen in Hamburg-Altona und Hamburg-Wilhelmsburg sowie eine bundesweite Notrufnummer können Neugeborene anonym und straffrei abgegeben werden. Die medizinische Betreuung der Kinder läuft bis zu acht Wochen, in denen die Mutter ihr Kind zurückholen kann.

Anton wurde zunächst als Pflegekind zu dem Hamburger Schauspieler Rolf Becker und seiner Frau, der Schauspielerin Sylvia Wempner, gegeben. Die Aufnahme war als vorübergehend geplant. Becker, damals Anfang siebzig und bereits im Ruhestand, schilderte es in einem Interview:

„Anstatt meinen Kindern Ben und Meret aus erster Ehe mein Leben aufzuschreiben und Großvater zu sein, wickelte ich plötzlich selbst wieder ein eigenes Baby.“

Zu diesem Zeitpunkt hatte Rolf Becker bereits vier Kinder: Ben Becker und Meret Becker aus seiner ersten Ehe mit der Schauspielerin Monika Hansen sowie Max und Emil aus der Ehe mit Sylvia Wempner. Anton wurde sein fünftes Kind.

Aus der vorübergehenden Pflegestelle wurden rund zwei Jahre. 2004 adoptierten Rolf und Sylvia Anton offiziell. Er trägt seither den Nachnamen seiner Adoptivmutter. Der Name Wempner hat seine eigene Bühnengeschichte: Sylvias Eltern Fritz und Irmgard Wempner gehörten jahrzehntelang zum Ensemble der Niederdeutschen Bühne Flensburg. Sylvia erwarb ihr Schauspieldiplom an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg und unterrichtete ab 1988 am Hamburger Schauspiel-Studio Frese.

Anton Wempner wuchs in einem Haushalt auf, in dem Film und Theater zum Alltag gehörten.


Zappelphilipp (2012): Eine ARD-Hauptrolle mit echtem Hintergrund

Gedreht wurde zwischen dem 24. Juli und dem 28. August 2012 in München und Umgebung. Regie führte Connie Walther, Drehbuchautorin war die mehrfach ausgezeichnete Silke Zertz. Am 5. Dezember 2012 lief der 90-minütige Film im Ersten um 20:15 Uhr. 3,92 Millionen Zuschauer sahen die Erstausstrahlung. Arte wiederholte ihn am 17. Januar 2014.

Anton spielte Fabian Haas, einen quirligen Neunjährigen, der nach einem Schulwechsel in der Klasse von Lehrerin Hannah Winter (Bibiana Beglau) landet:

  • Fabian stört den Unterricht und eckt bei Mitschülern sowie Lehrerkollegen an
  • Der Druck auf die Lehrerin und Fabians Mutter wächst: Das Kind soll medikamentös behandelt werden
  • Hannah setzt sich gegen den Widerstand des Kollegiums für Fabian ein und scheitert dabei letztlich an ihrem eigenen Engagement
  • Der Film beantwortet nicht, ob Fabian an ADHS leidet, und lässt die Frage absichtlich offen

Fabian Haas ist im Film ein Kind ohne stabiles Zuhause, dessen biologischer Vater seit Jahren fehlt und das von den Erwachsenen um ihn herum als Last wahrgenommen wird. Anton Wempner, der ihn spielte, war als Säugling anonym abgegeben worden. Die Ähnlichkeit zwischen Figur und Darsteller war der deutschen Presse bekannt. In den Besprechungen beschrieb sie seine Leistung als „rührend“ und ließ es dabei bewenden.

Halbbruder Ben Becker, 37 Jahre älter als Anton, begleitete ihn zur Premiere über den roten Teppich.

Preise und Nominierungen

AuszeichnungKategoriePerson
FIPA d’Or 2013, BiarritzBester TV-FilmConnie Walther
FIPA d’Or 2013, BiarritzBeste OriginalmusikFlorian Peter, Benjamin Fröhlich
Deutscher Kamerapreis 2013Schnitt, FernsehfilmSabine Brose

Zappelphilipp war außerdem für den Grimme-Preis nominiert, Deutschlands bedeutendster Fernsehauszeichnung.


Kein zweiter Auftritt

Was nach Zappelphilipp folgte, hat bis heute kaum jemand aufgeschrieben.

Anton Wempner übernahm keine weitere Schauspielrolle. Keine Gastrolle, kein Jugendfilm, kein Kurzfilm. Die Voraussetzungen wären gut gewesen: eine preisgekrönte Hauptrolle zur ARD-Hauptsendezeit, ein Adoptivvater mit direkten Verbindungen zur deutschen Film- und Theaterwelt, Halbgeschwister wie Ben Becker und Meret Becker als lebendige Verbindungen zu Bühne und Leinwand.

Anton Wempner nutzte keine davon. Er wechselte hinter die Kamera.


Anton Wempner heute: Visual Effects bei Lumatic Berlin

2022 tauchte Antons Name erneut in Filmcredits auf, diesmal im Bereich Visual Effects. Er arbeitete an Die Schule der magischen Tiere 2 beim Berliner Studio Lumatic Animation & VFX GmbH.

Lumatic ist in der deutschen Filmproduktion gut etabliert. Das Studio gewann den Deutschen Filmpreis (Lola) für die besten visuellen Effekte für den Animationsfilm Dragon Rider, den kommerziell erfolgreichsten deutschen Animationsfilm seines Erscheinungsjahres. Für Die Schule der magischen Tiere 2 übernahm Lumatic 371 VFX-Einstellungen vollständig im Haus, von Storyboard über Animation bis zu Licht und Compositing. Darunter die CGI-Figuren Juri (Pinguin) und Caspar (Chamäleon).

Antons LinkedIn-Profil listet ihn Stand Mai 2026 als Mitarbeiter von Lumatic, mit Standort Hamburg.


Rolf Becker starb im Dezember 2025

Am 12. Dezember 2025 starb Rolf Becker mit 90 Jahren in einem Hamburger Hospiz. Drei Tage zuvor hatte die ARD die letzte Folge mit seiner Beteiligung ausgestrahlt: Folge 1117 von In aller Freundschaft, in der seine Serienfigur Otto Stein in ein Seniorenheim zieht. Diese Rolle hatte er seit März 2006 gespielt, knapp zwei Jahrzehnte lang.

Die Trauerfeier fand am 7. Januar 2026 in der Heiligen-Dreieinigkeits-Kirche in Hamburg-St. Georg statt. Pastorin Dorothea Frauböse sagte:

„Rolf fehlt. Als Ehemann, Vater, Großvater, Freund und Nachbar, Schauspielkollege und politischer Mitstreiter.“

Unter den Trauernden waren seine Witwe Sylvia Wempner, Ben Becker sowie Kollegen aus In aller Freundschaft.


Was von Anton Wempner öffentlich dokumentiert ist, passt auf wenige Zeilen: eine Hauptrolle mit elf Jahren, drei internationale Auszeichnungen, eine Grimme-Nominierung. Danach kein weiterer Schauspielauftritt, kein Wikipedia-Eintrag, keine Interviews.

In einer Branche, in der frühe Erfolge fast immer als Startpunkt gelten, hat Anton Wempner sie als einen Punkt behandelt, an dem er fertig war. Was er danach gebaut hat, gehört ihm allein.

Daniela Seiler
Daniela Seilerhttps://apexmagazin.de/
Ich bin Daniela Seiler, Journalistin aus Holtland in Niedersachsen und Gründerin von Apex Magazin. Ich habe Journalismus studiert und danach vier Jahre in lokalen Verlagen gearbeitet, wo ich gelernt habe, dass Berichterstattung dann am stärksten ist, wenn man ihr nicht ausweicht, egal wie unbequem oder komplex das Thema ist. In dieser Zeit habe ich über ein breites Spektrum berichtet: Sportereignisse und Spielerporträts, nationale und internationale Nachrichten, gesellschaftliche Brennpunkte, Prominente und ihre Geschichten, Beziehungen und Hintergründe, Unterhaltung, Technologie, Gaming, Automobil, Wirtschaft und die Trendthemen, die Deutschland gerade wirklich beschäftigen. Kein Ressort war für mich jemals Pflichtprogramm. Ich habe mich für alle interessiert. Am 13. Mai 2026 habe ich Apex Magazin gegründet, weil ich ein Magazin aufbauen wollte, das keine künstlichen Grenzen zwischen Themen zieht und seinem Publikum gegenüber in jeder Zeile ehrlich bleibt. Hier schreibe ich selbst, jeden Tag, gemeinsam mit einem Team aus Redakteuren, Rechercheurinnen und Fachautoren, die denselben Anspruch teilen.

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