Traudl Rosenthal: Wer die Frau von Hans Rosenthal wirklich war

Traudl Rosenthal hat eine jüdische Familie aufgebaut. Einem Mann, dem der Holocaust die gesamte Familie geraubt hatte, gab sie Kinder, ein Zuhause und vier Jahrzehnte lang einen festen Boden unter den Füßen. Ihren Sohn benannte sie nach dem erschossenen Bruder ihres Mannes. Am Ende wurde sie auf dem Jüdischen Friedhof an der Heerstraße in Berlin beigesetzt, ein Rabbiner zitierte Hebräisch an ihrem Grab, die Jüdische Allgemeine schrieb einen Nachruf. Ob sie selbst Jüdin war, hat öffentlich nie jemand beantwortet.



Wer war Traudl Rosenthal?

Traudl Rosenthal, geborene Traudl Schallon, wurde am 6. August 1927 in Berlin-Spandau geboren. Sie starb am 25. März 2016 in Berlin, 88 Jahre alt. Als Frau des Showmasters Hans Rosenthal, bekannt durch die ZDF-Spielshow Dalli Dalli und seine Jahrzehnte beim Rundfunk im Amerikanischen Sektor (RIAS), trat sie einem breiten Publikum in Erscheinung. Vier Jahrzehnte lang war sie die Frau an seiner Seite. Nach seinem Tod im Februar 1987 führte sie sein soziales Erbe durch die Hans-Rosenthal-Stiftung weiter. Über ihr eigenes Leben vor dieser Ehe ist kaum etwas dokumentiert.

Auf einen Blick:

  • Geburtsname: Traudl Schallon
  • Geboren: 6. August 1927, Berlin-Spandau
  • Gestorben: 25. März 2016, Berlin (Alter 88)
  • Ehemann: Hans Rosenthal (geheiratet 1947, gestorben 10. Februar 1987)
  • Kinder: Birgit Hofmann (geb. Rosenthal) und Gert Rosenthal
  • Beisetzung: Jüdischer Friedhof an der Heerstraße, Berlin

1946: Das Kennenlernen beim Berliner Rundfunk

Traudl Schallon war 18 Jahre alt, als Hans Rosenthal sie in der Kantine des Berliner Rundfunks ansprach. Er war 22 und arbeitete dort als Mädchen für alles. Hinter ihm lag die NS-Verfolgung, das Versteck in einer Lichtenberger Laubenkolonie von 1943 bis 1945, der Verlust beider Eltern und seines Bruders.

Sie zeigte zunächst kein Interesse und hielt ihn für jünger als sich selbst. Hans Rosenthal schrieb über diesen Moment später in seiner Autobiografie Zwei Leben in Deutschland: „In der Kantine war mir ein hübsches blondes Mädchen aufgefallen. Es war eine Augenweide für mich.“

Er ließ nicht locker. Am Ende kniete er vor Traudls Mutter nieder und bat um die Hand der Tochter.


Die Hochzeit 1947

Sie heirateten 1947. Für die Eheringe reiste Hans eigens nach München, wo eine Tante sie für ihn bereithielt. Den Smoking lieh er sich beim Kostümverleih. Traudl wollte ein weißes Kleid mit Brautschleier. Für das Hochzeitsfest hatten sie Lebensmittelkarten gespart. Kollegen witzten anschließend über ihre „indische Kinderehe“, so jung wirkten die beiden.

Nach der Hochzeit bat Hans seine Frau, die Stelle aufzugeben. Das fiel ihr schwer. Sie verdiente damals mehr als er. Wenn er nachts Produktionen hatte, begleitete sie ihn ins Studio und saß still dabei, strickte.


Was sie wusste, das Deutschland nicht wusste

Für Millionen Deutsche war Hans Rosenthal der strahlende Quizmaster, der für „Das war Spitze!“ in die Luft sprang. Traudl Rosenthal kannte einen anderen Mann.

In einem Interview beschrieb sie, wie er nachts aufsprang, Geräusche vor der Tür hörte und sich vorstellte, sein Bruder käme zurück. Sein Bruder Gert war am 22. Oktober 1942 deportiert und bei Riga ermordet worden. Zehn Jahre alt. Hans Rosenthal hatte durch den Holocaust seine gesamte Familie verloren, Eltern und Bruder.

Was Traudl in diesen Nächten sagte, hat sie nie öffentlich erzählt. Es war das einzige Terrain, das wirklich ihr gehörte.

Bei Traudls Verwandten fand Hans Rosenthal nach dem Krieg eine Ersatzfamilie. Traudl hatte das mitentschieden. „Er war privat unglaublich positiv und kreativ“, sagte sie über ihn. Beides stimmte gleichzeitig.


Die Kinder der Familie Rosenthal

Das Paar bekam zwei Kinder. Tochter Birgit Rosenthal kam am 30. Juni 1950 zur Welt, heute bekannt als Birgit Hofmann. Sohn Gert Rosenthal wurde am 29. August 1958 geboren. Den Namen Gert wählte Hans bewusst, nach seinem ermordeten Bruder. Traudl trug diesen Namen mit, jeden Tag.


Traudl Rosenthal im Fernsehen

Von 1971 bis 1973 traten Hans und Traudl Rosenthal gemeinsam in der ZDF-Spielshow „Sie und er im Kreuzverhör“ auf, moderiert von Peter Frankenfeld. Das Format, die deutsche Variante des amerikanischen The Newlywed Game, befragte prominente Ehepaare getrennt voneinander. Für das Publikum war es das erste Mal, das Paar nicht durch ihn allein, sondern gemeinsam zu sehen. Weitere Auftritte folgten in den Dokumentationen „Legenden“ und „Hans Rosenthal, das war Spitze!“


Die Hans-Rosenthal-Stiftung nach 1987

Hans Rosenthal starb am 10. Februar 1987 in Berlin an Magenkrebs. Er war 61 Jahre alt.

In den Jahren danach wurde Traudl Rosenthal zweimal schwer krank. Sie erholte sich beide Male. Ihren Ehering trug sie bis zu ihrem Tod nicht ab.

Zusammen mit Sohn Gert führte sie die Hans-Rosenthal-Stiftung weiter, Motto: „Schnelle Hilfe in akuter Not.“ Seit 2003 vergibt die Stiftung jährlich den Hans-Rosenthal-Ehrenpreis, dotiert mit 10.000 Euro, für besonderes soziales Engagement.

Bisherige Preisträger (Auswahl):

  • Karlheinz Böhm (2003)
  • Peter Maffay (2009)
  • Franz Beckenbauer (2010)
  • Auma Obama (2019)
  • Uschi Glas (2025)

„Ich bin sicher: Hans schaut uns von da oben aus zu“, sagte Traudl Rosenthal über dieses Engagement.


Beisetzung, Abschied und eine offene Frage

Traudl Rosenthal wurde am 31. März 2016 auf dem Jüdischen Friedhof an der Heerstraße in Berlin beigesetzt, direkt neben Hans Rosenthal. Über 200 Menschen kamen, darunter Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gemeinderabbiner Jonah Sievers und der Schauspieler Ilja Richter.

Rabbiner Andreas Nachama hielt die Trauerrede und zitierte Sprüche Salomos 14,1 auf Hebräisch: „Chochmot naschim banta wetah“, die Weisheit von Frauen baut sich ein Haus. Traudl Rosenthal habe „ein Haus aus Liebe und aus herzlicher Weisheit“ gebaut, sagte er.

In genealogischen Archiven ist Hans Rosenthal als jüdisch eingetragen. Für Traudl Schallon findet sich kein solcher Eintrag. Keine öffentliche Quelle, nicht einmal die Jüdische Allgemeine in ihrem Nachruf, beantwortet die Frage nach ihrer religiösen Identität. Ob sie konvertierte, ob sie die Frage offenließ oder ob sie in ihrem Umfeld nie gestellt wurde, bleibt ohne Antwort.

Die Berliner jüdische Gemeinde hat sie ohne Vorbehalt aufgenommen und verabschiedet. Das Grab neben ihrem Mann ist ihr letztes Wort dazu.

Sie selbst hat über ihre Ehe gesagt: „Er hat den größten und wichtigsten Teil meines Lebens begleitet. Und es war unglaublich schön.“ Wenn man bedenkt, was sie dabei mitgetragen hat, klingt das weniger wie eine Liebeserklärung als wie die ruhige Bilanz eines langen, bewusst gewählten Lebens.

Daniela Seiler
Daniela Seilerhttps://apexmagazin.de/
Ich bin Daniela Seiler, Journalistin aus Holtland in Niedersachsen und Gründerin von Apex Magazin. Ich habe Journalismus studiert und danach vier Jahre in lokalen Verlagen gearbeitet, wo ich gelernt habe, dass Berichterstattung dann am stärksten ist, wenn man ihr nicht ausweicht, egal wie unbequem oder komplex das Thema ist. In dieser Zeit habe ich über ein breites Spektrum berichtet: Sportereignisse und Spielerporträts, nationale und internationale Nachrichten, gesellschaftliche Brennpunkte, Prominente und ihre Geschichten, Beziehungen und Hintergründe, Unterhaltung, Technologie, Gaming, Automobil, Wirtschaft und die Trendthemen, die Deutschland gerade wirklich beschäftigen. Kein Ressort war für mich jemals Pflichtprogramm. Ich habe mich für alle interessiert. Am 13. Mai 2026 habe ich Apex Magazin gegründet, weil ich ein Magazin aufbauen wollte, das keine künstlichen Grenzen zwischen Themen zieht und seinem Publikum gegenüber in jeder Zeile ehrlich bleibt. Hier schreibe ich selbst, jeden Tag, gemeinsam mit einem Team aus Redakteuren, Rechercheurinnen und Fachautoren, die denselben Anspruch teilen.

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