Margarete Joswig: Mezzosopranistin und Ex von Jonas Kaufmann

Ende dieser Woche beginnt am Theater Altenburg Gera die neue Spielzeit. Im Ensemble des Hauses steht dafür wieder Margarete Joswig auf dem Programm, eine Mezzosopranistin, die seit den neunziger Jahren an deutschen und internationalen Opernhäusern singt und deren Laufbahn deutlich mehr umfasst als die Jahre, in denen sie mit dem Tenor Jonas Kaufmann verheiratet war.



Herkunft und Ausbildung

Geboren wurde sie 1972 in Mannheim, in einer Familie, in der Musik zum Alltag gehörte. Beide Eltern arbeiteten als Grundschullehrer, und nach eigener Aussage hörte sie die Stimmen ihrer Eltern und Geschwister schon während der Schwangerschaft ihrer Mutter. Ihre Ausbildung führte sie an die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main, zunächst am Klavier, dann im Gesang bei Gisela Pohl und Elsa Cavelti. Die Liedklasse besuchte sie bei Charles Spencer, ihr Operndiplom schloss sie 1994 ab. Meisterkurse bei Brigitte Fassbaender, Laura Sarti, Montserrat Figueras und Rudolf Piernay ergänzten ihre Ausbildung.

Debüt in Saarbrücken, Durchbruch in Stuttgart

Ihr erstes Festengagement führte die Sängerin 1994 an das Saarländische Staatstheater Saarbrücken. Debütiert hat sie dort mit einer Hosenrolle, als Hänsel in Humperdincks „Hänsel und Gretel“, und blieb bis 2000 im Ensemble, wo sie zentrale Partien des lyrischen Mezzofachs übernahm. Danach wechselte sie bis zum Sommer 2003 als festes Ensemblemitglied an die Staatsoper Stuttgart.

Dort entstand 2003 auch der Auftritt, der ihren Namen über Fachkreise hinaus bekannt machte. Unter der Leitung von Lothar Zagrosek sang sie die Floßhilde im „Rheingold“, in einer Ring-Produktion, die im Fernsehen ausgestrahlt und später auf DVD sowie CD veröffentlicht wurde. Für eine Sängerin, die zu diesem Zeitpunkt noch keine zehn Jahre im Beruf war, war das ein ungewöhnlich sichtbarer Moment.

Freie Jahre quer durch Europa

Ab Herbst 2003 arbeitete sie freischaffend. Einige Engagements aus dieser Zeit lassen sich genau datieren:

JahrOrtWerk
2002Bad UrachUraufführung „Benedetto Marcello“ von Joachim Raff
2003Bad UrachUraufführung „Rainulf und Adelasia“ von Siegfried Wagner, Partie der Sigilgaita
2004Paris, Théâtre du ChâteletMahlers „Das Lied von der Erde“, gemeinsam mit Jonas Kaufmann

Weitere Gastspiele führten sie an das Teatro San Carlo in Neapel, wo sie die Waltraute in „Die Walküre“ sang, zum Rheingau Musik Festival mit Verdis „Messa da Requiem“ und zum Kunstfest Weimar mit Eislers „Deutsche Sinfonie“. Zu ihren Dirigenten und Regisseuren aus dieser Phase zählen Lothar Zagrosek, Sylvain Cambreling, Andrea Breth und Martin Kušej. Auf CD liegen außerdem Aufnahmen von Francesco Durantes „Lamentationes Jeremiae Prophetae“ und Dvořáks „Stabat Mater“ vor.

Eine Ehe, drei Kinder, eine lange Pause

Sie war mit dem Tenor Jonas Kaufmann verheiratet, mit dem sie drei Kinder hat. Für rund ein Jahrzehnt zog sich die Sängerin weitgehend von der Opernbühne zurück, um die Kinder großzuziehen, abgesehen von einzelnen Konzerten. Musik und Familie waren für sie dabei nie strikt getrennt, in Interviews hat sie öfter beschrieben, wie eng beides in ihrer eigenen Kindheit zusammenhing. Im April 2014 wurde die Trennung öffentlich, worüber unter anderem der Journalist Robert Braunmüller in der Abendzeitung berichtete.

Die Rückkehr als Fricka

Im November 2015 stand sie wieder auf einer großen Bühne, als Mutter in „Hänsel und Gretel“ am Hessischen Staatstheater Wiesbaden. Daraus wurde ein längeres Kapitel. In Uwe Eric Laufenbergs Inszenierung von Wagners „Der Ring des Nibelungen“ übernahm sie die Fricka und die Waltraute, dazu die Magdalene in den „Meistersingern“ sowie die Gräfin in Lortzings „Der Wildschütz“ am Gärtnerplatztheater München.

Bemerkenswert an dieser Rückkehr ist die Rollenwahl selbst. Die Fricka ist in Wagners Ring die Göttin der Ehe, und ihre große Szene mit Wotan handelt von einem Ehestreit. Joswig kündigte diese Partie 2016 auf ihrer eigenen Website an und beschrieb die Szene so:

„Die große Szene mit Wotan, die Ehekrise, ist ein psychologisches Meisterwerk.“

Die Rolle blieb ihr über Jahre erhalten. Im März 2024 stand sie erneut als Fricka in „Die Walküre“ in Wiesbaden auf der Bühne, wie das Fachportal klassik-begeistert.de in seiner Kritik festhielt, gemeinsam mit Manuela Uhl als Brünnhilde und Katrin Wundsam als Freia.

Was jetzt in Altenburg und Gera wartet

Auf der offiziellen Personalseite des Theaters Altenburg Gera ist sie inzwischen als Mitglied des Hauses verzeichnet. Das Theater bespielt zwei Städte, Altenburg und Gera, und verfügt mit dem Philharmonischen Orchester Altenburg Gera über einen eigenen Klangkörper, der regelmäßig für MDR Kultur und Deutschlandfunk Kultur aufnimmt. Zum Verbund gehört auch das traditionsreiche Landestheater Altenburg, das seit 2011 von Kay Kuntze geleitet wird.

Welche Rolle Margarete Joswig dort als Nächstes singt, war zum Zeitpunkt der Recherche noch nicht bekannt gegeben. Die neue Spielzeit beginnt am 16. August 2026, ihre Stimme wird derzeit von der Gesangspädagogin Margreet Honig in Amsterdam betreut, und privat lebt sie in der Nähe von München. Fest steht, dass ihr Name mehr als zehn Jahre nach dem Comeback in Wiesbaden weiter im aktuellen Ensemble eines deutschen Opernhauses geführt wird, diesmal mit Publikum in zwei Städten und einer Reichweite, die über Thüringen hinausgeht.


Quellen: Offizielle Website Margarete Joswig · Wikipedia · Gärtnerplatztheater München · Theater Altenburg Gera · klassik-begeistert.de, Kritik vom 29. März 2024

Daniela Seiler
Daniela Seilerhttps://apexmagazin.de/
Ich bin Daniela Seiler, Journalistin aus Holtland in Niedersachsen und Gründerin von Apex Magazin. Ich habe Journalismus studiert und danach vier Jahre in lokalen Verlagen gearbeitet, wo ich gelernt habe, dass Berichterstattung dann am stärksten ist, wenn man ihr nicht ausweicht, egal wie unbequem oder komplex das Thema ist. In dieser Zeit habe ich über ein breites Spektrum berichtet: Sportereignisse und Spielerporträts, nationale und internationale Nachrichten, gesellschaftliche Brennpunkte, Prominente und ihre Geschichten, Beziehungen und Hintergründe, Unterhaltung, Technologie, Gaming, Automobil, Wirtschaft und die Trendthemen, die Deutschland gerade wirklich beschäftigen. Kein Ressort war für mich jemals Pflichtprogramm. Ich habe mich für alle interessiert. Am 13. Mai 2026 habe ich Apex Magazin gegründet, weil ich ein Magazin aufbauen wollte, das keine künstlichen Grenzen zwischen Themen zieht und seinem Publikum gegenüber in jeder Zeile ehrlich bleibt. Hier schreibe ich selbst, jeden Tag, gemeinsam mit einem Team aus Redakteuren, Rechercheurinnen und Fachautoren, die denselben Anspruch teilen.

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