Ramona Wulf, bürgerlich Ramona Kraft, ist eine 1954 in Hanau geborene Schlager- und Discosängerin und war ab 1975 Mitglied von Silver Convention, dem Münchner Studioprojekt der Produzenten Michael Kunze und Sylvester Levay. Den Titel „Fly, Robin, Fly“, der Ende 1975 Platz eins der US-Charts erreichte, hatten Studiosängerinnen eingesungen, während sie selbst mit der Gruppe auf der Bühne stand. Vor Silver Convention hatte sie als Schlagersängerin Hits, 1977 trat die Gruppe beim Eurovision Song Contest an, und 2010 schloss sie die Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie ab.
Inhaltsverzeichnis
Auf Einen Blick
| Steckbrief | Angaben |
|---|---|
| Bürgerlicher Name | Ramona Kraft |
| Geboren | 18. Oktober 1954 in Hanau |
| Künstlername | Ramona |
| Genre | Schlager, Disco, Pop |
| Gruppe | Silver Convention (1975 bis 1979) |
| Beruf | Heilpraktikerin für Psychotherapie |
| Wohnort | Berlin |
| Kinder | drei |
Von Hanau in die ZDF-Hitparade
Wulf wuchs in Hanau auf. Die Museen Hanau schreiben, sie sei bei Pflegeeltern groß geworden, die ihr Talent erkannten und private Gesangsstunden ermöglichten, während sie im Interview mit music4ever.de aus dem Jahr 2018 von der Familie ihrer Tante und deren Mannes spricht. Ihr Onkel ermutigte sie, 1969 an einem Gesangswettbewerb in Frankfurt teilzunehmen.
Danach begann ihre Gesangskarriere, die erste Single hieß „Du, ich brauche was und das bist du“. 1971 kam „Alles was wir woll’n auf Erden“ auf Platz 8 der deutschen Single-Charts. Unter dem Künstlernamen Ramona war sie oft in der ZDF-Hitparade zu Gast, belegte bei der Bravo-Otto-Wahl zur beliebtesten Sängerin vordere Plätze und wirkte in der Filmkomödie „Tante Trude aus Buxtehude“ mit, in der sie nach eigener Angabe nur ihren Hit sang.
Hinter den Kulissen der Hitparade beruhigte Moderator Dieter Thomas Heck die Teilnehmer nach ihrer Erinnerung mit seiner unterstützenden Art. Mit Silver Convention war sie später mehrfach bei Ilja Richter in der „Disco“ zu Gast, wo ihr das Auftreten nach eigenen Worten großen Spaß machte.
Silver Convention begann als Studioprojekt
Ende 1974 starteten Michael Kunze und Sylvester Levay in München das Studioprojekt Silver Bird Convention, wie die taz in einem Rückblick von 1995 schreibt. Wulf hatte im selben Jahr bei Jupiter Records unterschrieben, der Firma von Ralph Siegel. Der Name Silver Convention steht für den Munich Sound, den Disco-Stil der Münchner Produzenten.
Schon als Teenager hatte Wulf mit Siegel gearbeitet und ihn gebeten, Stil und Image ändern zu dürfen. Siegel stellte sie Kunze vor, mit dem sie erst solo die deutsche Version von „Sugar Candy Kisses“ aufnahm.
Ihren ersten Fernsehauftritt hatte sie 1975 in London mit „Save Me“, einem Hit der Gruppe in Großbritannien, noch an der Seite von Jackie Carter. Danach bildete sie mit Penny McLean und Linda G. Thompson das Trio.
Wer auf „Fly, Robin, Fly“ zu hören ist
Die Credits einer Albumausgabe bei Discogs führen unter anderem diese ungenannten Stimmen auf.
- Betsy Allen
- Gitta Walther
- Lucy O’Neale
- Roberta Kelly
- Jackie Carter, Leadgesang bei einem Titel
Wulf, McLean und Thompson stehen dort als Besetzung der Gruppe. Nach Angaben des US-Musikportals The Second Disc ersetzten die Produzenten die Studiosängerinnen nach den ersten Erfolgen durch eine neue Gruppe für Tourneen und weitere Aufnahmen.
Bei Veranstaltungen sei fast immer live gesungen worden, sagt Wulf, und der Tanzstil habe nicht zu akrobatisch sein dürfen, weil zu viel Bewegung dem Gesang die Luft nehme. Kunze habe sich in die Performance kaum eingemischt.
Auf „Love in a Sleeper“ von 1978, dem letzten Studioalbum der Gruppe, singt Wulf laut Wikipedia den Lead bei „Acuestate Conmigo“. Penny McLean und Linda G. Thompson standen da nicht mehr in der Besetzung, die Museen Hanau nennen Wulf als einziges Mitglied, das von Anfang an dabei war.
In den USA wurde „Fly, Robin, Fly“ nach Bert Kaempfert erst der zweite deutsche Nummer-eins-Hit, und der Titel wurde mit einem Grammy für die beste R&B-Instrumentaldarbietung ausgezeichnet. Als er die Spitze erreichte, stand die Gruppe auf einer Disco-Tournee in einem kleinen deutschen Ort. Amerika lag tausende Kilometer entfernt, und Wulf beschreibt den Moment als unwirklich.
| Titel | Jahr | Platzierung |
|---|---|---|
| „Alles was wir woll’n auf Erden“ (solo) | 1971 | Platz 8, deutsche Single-Charts |
| „Fly, Robin, Fly“ (Silver Convention) | 1975 | Platz 1, US-Charts, und Platz 5, Schweiz (laut hitparade.ch) |
| „Get Up and Boogie“ (Silver Convention) | 1976 | Platz 2, US-Charts |
| „Flashdance“ (Cover, solo) | 1983 | Platz 35, deutsche Airplay-Charts |
Eurovision 1977 in London
Am 7. Mai 1977 trat Silver Convention im Wembley Conference Centre in London für Deutschland an. „Telegram“ startete als Nummer 6 von 18 Beiträgen und kam mit 55 Punkten auf Platz 8. Auf Englisch durfte die Gruppe ohne Strafe singen, weil das deutsche Auswahlverfahren schon lief, als die Sprachregel wieder eingeführt wurde.
Nach den Besetzungsangaben von Rate Your Music standen Wulf, Penny McLean und Rhonda Heath auf der Bühne, Heath war Ende 1976 für Linda G. Thompson gekommen. Etwa zehn Minuten vor dem Auftritt verhakte sich der Reißverschluss an Wulfs Kostüm, das Missgeschick habe sich aber positiv auf den Auftritt ausgewirkt, schreibt Eurovision Island.
Mit dem Auftritt war die Gruppe nach Wulfs Worten sehr zufrieden. Zum Platz acht vermutet sie, die Jurys seien verwirrt gewesen, weil Silver Convention für minimalistische Texte mit ständig wiederholter Titelzeile bekannt war.
Nach 1979 blieben die Soloplatten ohne Erfolg
Die Gruppe löste sich 1979 auf, und Wulf setzte ihre Solokarriere fort. Nach Angaben der Museen Hanau erschienen von und mit ihr bis 1988 sieben Alben und 21 Singles. Der taz-Rückblick hält ihre Versuche, an frühere Solo-Erfolge anzuknüpfen, für gescheitert und nennt die LP „Mood to Mood“ von 1988 einen Flop.
Rate Your Music verzeichnet für 1983, 1987 und 2000 einzelne Fernsehauftritte des Trios. Zuletzt sei die Gruppe in Italien aufgetreten, sagte Wulf Eurovision Island, danach hätten die drei beschlossen, das Projekt ruhen zu lassen.
Das zweite Standbein als Heilpraktikerin in Berlin
2010 schloss Wulf die Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie ab, seit 2011 hat sie nach eigener Aussage eine Praxis in Berlin. Dem Portal Eurovision Island sagte sie, sie unterrichte an einer bekannten Heilpraktikerschule der Stadt, das Singen sei für sie inzwischen ein Hobby.
„Ihr braucht besonders am Anfang Eurer Karriere unbedingt ein zweites Standbein.“
Wulf im Interview mit music4ever.de, 2018
Diesen Rat an junge Künstler gab sie auf die Frage nach Casting-Shows wie DSDS, die sie nach eigener Aussage gelegentlich anschaut. Man wisse nie, wann der künstlerische Weg zu Ende sei, sagte sie, und dann solle man nicht vor dem gesellschaftlichen Aus stehen.
Fernsehanfragen nehme sie gern an, wenn sie interessant seien, regelmäßige Projekte würde sie ablehnen, sagte Wulf 2018. Penny McLean und Rhonda Heath treffe sie regelmäßig in Berlin, Linda G. Thompson meist in München.
Häufige Fragen
Wie alt wird die Sängerin?
Sie wurde 1954 geboren und wird 2026 72 Jahre alt.
Welche Titel kennt man von ihr?
Als Solistin sind „Alles was wir woll’n auf Erden“, „Du, ich brauche was und das bist du“ und „Liebe ist für alle da“ bekannt. Mit Silver Convention kamen „Fly, Robin, Fly“, „Get Up and Boogie“ und „Telegram“ dazu.
Was macht die Sängerin heute?
Nach ihren Aussagen gegenüber music4ever.de (2018) und Eurovision Island arbeitet sie als Heilpraktikerin für Psychotherapie in Berlin und unterrichtet an einer Heilpraktikerschule. Fernsehanfragen nimmt sie an, wenn sie interessant sind.
Gibt es Silver Convention noch?
Die Gruppe löste sich 1979 auf. Nach Wulfs Worten gegenüber Eurovision Island legten die drei Sängerinnen das Projekt gemeinsam auf Eis.
Hat Ramona Wulf auf „Fly, Robin, Fly“ gesungen?
Die Credits der Albumausgabe führen Studiosängerinnen als Stimmen der Aufnahme, Wulf steht dort nur in der Besetzung der Gruppe. Zu den Live-Auftritten der Gruppe liegt als Quelle nur ihre eigene Auskunft vor, nach der dabei fast immer live gesungen wurde.

