Kevin Ratajczak steigt mit Tanzneid an die Chartspitze

Im Mai 2026 sitzt Kevin Ratajczak in einer Garderobe in Berlin, kurz vor einem der letzten Termine der Europa-Tournee. Er lacht, als er über seinen eigenen Zustand spricht. Die Stimmung sei gut, sagt er, nur der Körper mache langsam nicht mehr richtig mit.

Wenige Monate später steht das neue Album seiner Band, Tanzneid, auf Platz eins der offiziellen deutschen Album-Charts. Beide Aussagen stammen aus derselben Albumkampagne, nur eben aus unterschiedlichen Interviews zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Wer beide nebeneinanderlegt, bekommt ein Bild von Kevin Ratajczak, das in keinem der beiden Gespräche allein zu finden ist.



Kevin Ratajczak im Überblick

MerkmalAngabe
Voller NameKevin Ratajczak
Geburtsdatum7. August 1985
GeburtsortDatteln, Nordrhein-Westfalen
BerufSänger, Keyboarder, Songwriter
BandElectric Callboy, seit 2010
Rolle in der BandUnclean Vocals, Growls und Screams
BandkollegeNico Sallach, Clean Vocals
FamilienstandVerheiratet, zwei Kinder
Aktuelles AlbumTanzneid, veröffentlicht am 7. August 2026

Die Anfänge in Castrop-Rauxel

Ratajczak gründete seine Band 2010 in Castrop-Rauxel, damals noch unter dem Namen Eskimo Callboy. Der erste Auftritt fand im Jugendzentrum Trafo statt, mitten in der eigenen Heimatstadt. Video-Blogs auf MySpace brachten der Gruppe die ersten Fans, lange bevor sich ein Label meldete.

Heute füllt Electric Callboy Arenen in Deutschland, Großbritannien und Australien. Im Gespräch mit dem Musikmagazin Kerrang nannte Ratajczak Hallen wie die Alexandra Palace in London oder das Olympia in Paris besonders wichtig für ihn, weil sie über echte Geschichte verfügen und nicht jedes Jahr neu vermarktet werden.

Der Namenswechsel, der die Band beinahe spaltete

2022 stand die Gruppe an einem Wendepunkt. Der Name Eskimo Callboy geriet zunehmend in die Kritik, weil der Begriff Eskimo als abwertende Fremdbezeichnung für die Inuit gilt. Gleichzeitig wurden ältere Songtexte des Albums Bury Me in Vegas öffentlich hinterfragt.

Die Band reagierte mit einer öffentlichen Entschuldigung und nahm betroffene Songs offline. Kurz darauf erfolgte die Umbenennung in Electric Callboy. Die eigentliche Ankündigung geriet damals in den Hintergrund, weil zur selben Zeit der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine begann und die Band stattdessen auf eine Spendenaktion ihres damaligen Schlagzeugers verwies.

Im selben Jahr scheiterte außerdem ein Versuch, mit dem Song Pump It als deutscher Wildcard-Beitrag beim Eurovision Song Contest anzutreten. Die Jury lehnte den Vorschlag ab.

Was der Erfolg von Electric Callboy wirklich kostet

Nach außen wirkt die Band wie eine Gruppe, die einfach nur Spaß haben will. Mehrere Interviews aus dem laufenden Jahr zeigen ein anderes Bild.

Gegenüber Rock Sound sprach Ratajczak offen über das Training, das mittlerweile hinter jeder Show steckt, damit sein Körper die Anforderungen der Tanzneid-Tour überhaupt durchhält. Für ihn ist dabei eines wichtig: Das Publikum soll davon nichts merken, weil es dem chaotischen Bild widerspricht, das die Band bewusst nach außen trägt.

Im Interview mit dem australischen Rolling Stone Magazin sprach er über neue Kostüme, ein umgebautes Bühnenbild und deutlich mehr Laufwege während der Show. Seine Stimme brauche durch die neueren Songs weniger Kraft als früher, dafür verlange die Choreografie dem Körper mehr ab als in den Anfangsjahren der Band.

Bereits Jahre zuvor hatte Ratajczak im Gespräch mit dem Magazin Outburn über die Kehrseite seines Berufs gesprochen. Er lebe nach dem Grundsatz, dass glückliche Eltern glückliche Kinder machen, könne wegen der Tour aber nicht bei Hochzeiten, Geburtstagen oder anderen wichtigen Familienmomenten dabei sein. Seit er selbst Vater ist, wiegt dieser Punkt nach eigener Aussage schwerer als zuvor.

Tanzneid und der aktuelle Charterfolg

Am 7. August 2026 erschien das siebte Studioalbum von Electric Callboy über Century Media Records. Der Titel entstand eher zufällig. Laut übereinstimmenden Berichten mehrerer deutscher Medien fiel der entscheidende Satz beim Dreh zum Musikvideo zu Elevator Operator, als Schauspieler Uke Bosse während einer Drehpause die tanzenden Statisten beobachtete und sinngemäß bemerkte, dabei packe einen ja richtiger Tanzneid.

Musikalisch bewegt sich das Album zwischen Metalcore, EDM und Pop und bringt mehrere bekannte Namen zusammen:

  • The Offspring liefern einen Gastbeitrag beim Song Let The Good Times Roll
  • BABYMETAL sind erneut bei Ratatata vertreten
  • Eine Coverversion von Sum 41s Still Waiting begrüßt den neuen Live-Schlagzeuger Frank Zummo, der 2025 den ausgeschiedenen Gründungsschlagzeuger David Friedrich ersetzte

Wenige Tage nach der Veröffentlichung bestätigte GfK Entertainment den Einstieg von Tanzneid auf Platz eins der offiziellen deutschen Album-Charts. Damit verdrängte die Band Ariana Grande von der Spitze und wiederholte den Erfolg des Vorgängeralbums Tekkno aus dem Jahr 2022, das in Deutschland inzwischen Gold-Status erreicht hat.

Die wichtigsten Fragen zu Kevin Ratajczak

Wer ist Kevin Ratajczak?

Er ist Gründungsmitglied, Keyboarder und einer der beiden Frontmänner von Electric Callboy, einer Band aus Castrop-Rauxel, die 2026 mit Tanzneid zum zweiten Mal ein Nummer-eins-Album in Deutschland erreichte.

Warum verbirgt er das Training vor dem Publikum?

Nach eigener Aussage soll die Anstrengung hinter den Shows nicht sichtbar werden, weil sie dem spontanen, chaotischen Bild widerspricht, das die Band bewusst pflegt.

Wer ersetzte den früheren Schlagzeuger der Band?

Frank Zummo, zuvor bei Sum 41 aktiv, übernahm 2025 die Position von Gründungsmitglied David Friedrich, der die Band verließ.

Warum hieß die Band früher Eskimo Callboy?

Der Name stammt aus der Gründungszeit 2010. Wegen anhaltender Kritik am Begriff Eskimo benannte sich die Band 2022 in Electric Callboy um.

Der Satz aus der Berliner Garderobe ist älter als der Charterfolg von Tanzneid. Er stammt aus derselben Albumkampagne, in der die Band gerade ihren bisher größten Erfolg feiert. Genau diese Nähe zwischen beiden Aussagen erzählt mehr über den aktuellen Zustand von Kevin Ratajczak als jede einzelne Schlagzeile für sich.


Quellen:

Daniela Seiler
Daniela Seilerhttps://apexmagazin.de/
Ich bin Daniela Seiler, Journalistin aus Holtland in Niedersachsen und Gründerin von Apex Magazin. Ich habe Journalismus studiert und danach vier Jahre in lokalen Verlagen gearbeitet, wo ich gelernt habe, dass Berichterstattung dann am stärksten ist, wenn man ihr nicht ausweicht, egal wie unbequem oder komplex das Thema ist. In dieser Zeit habe ich über ein breites Spektrum berichtet: Sportereignisse und Spielerporträts, nationale und internationale Nachrichten, gesellschaftliche Brennpunkte, Prominente und ihre Geschichten, Beziehungen und Hintergründe, Unterhaltung, Technologie, Gaming, Automobil, Wirtschaft und die Trendthemen, die Deutschland gerade wirklich beschäftigen. Kein Ressort war für mich jemals Pflichtprogramm. Ich habe mich für alle interessiert. Am 13. Mai 2026 habe ich Apex Magazin gegründet, weil ich ein Magazin aufbauen wollte, das keine künstlichen Grenzen zwischen Themen zieht und seinem Publikum gegenüber in jeder Zeile ehrlich bleibt. Hier schreibe ich selbst, jeden Tag, gemeinsam mit einem Team aus Redakteuren, Rechercheurinnen und Fachautoren, die denselben Anspruch teilen.

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