Lena Wisborg: Was aus der Ida von Michel aus Lönneberga wurde

Lena Wisborg war fünf Jahre alt, als sie zur bekanntesten kleinen Schwester Schwedens wurde. Ihr Filmbruder Jan Ohlsson gibt seit Jahren keine Interviews mehr über jene Zeit. Er lebt zurückgezogen in Uppsala, arbeitet als IT-Techniker und möchte mit seiner damaligen Rolle nicht mehr in Verbindung gebracht werden. Wisborg dagegen spricht bis heute offen und warm über die Dreharbeiten, die sie als Kind berühmt machten.

Beide standen Anfang der siebziger Jahre gemeinsam vor der Kamera und wurden über Nacht bekannt. Ihr späterer Umgang mit dieser gemeinsamen Vergangenheit könnte unterschiedlicher kaum sein.



Die wichtigsten Fakten zu Lena Wisborg

  • Geboren: 24. September 1965 in Huddinge bei Stockholm
  • Bekannt durch: die Rolle der Ida Svensson in „Michel aus Lönneberga“
  • Heutiger Name: Lena Wisborg Candinger
  • Letzte Rolle: Nebenrolle in der Serie „Katitzi“ (1979)
  • Beruf heute: Schneiderin und Designerin
  • Wohnort: Tyresö bei Stockholm

Für viele Zuschauer in Schweden und Deutschland ist ihr Gesicht bis heute mit der eigenen Kindheit verbunden. Die Filme laufen seit Jahrzehnten regelmäßig im Fernsehen, ganze Generationen kennen einzelne Szenen auswendig. Was aus der Frau hinter der Rolle wurde, ist dagegen kaum bekannt.

Wie eine Fünfjährige zur Ida wurde

Als Lena Wisborg für die Rolle vorgesprochen wurde, war sie fünf Jahre alt. Bis der erste Film im Dezember 1971 in die Kinos kam, war sie bereits sechs, weshalb in unterschiedlichen Quellen beide Altersangaben zu finden sind. Die Verfilmung von Astrid Lindgrens „Emil i Lönneberga“ entstand unter der Regie von Olle Hellbom und lief in Deutschland unter dem Titel „Michel aus Lönneberga“. Zwischen 1971 und 1973 entstanden drei Kinofilme, aus denen später eine dreizehnteilige Fernsehserie geschnitten wurde, ausgestrahlt 1975 und 1976.

In der Interviewreihe „Alla vi barn från filmerna“ erzählte Wisborg, man habe sie vorher gefragt, ob sie die Rolle überhaupt wolle, und ihr erklärt, dass sie dafür tagelang von zu Hause weg sein würde. Als Fünfjährige habe sie die Tragweite davon nicht vollständig verstehen können, gezwungen worden sei sie aber nie.

Warum sie aufhörte

Kurz nach dem dritten Film, „Emil och griseknoen“ von 1973, war für die damals achtjährige Wisborg zunächst Schluss mit dem Schauspielern. Wie beiläufig diese Entscheidung fiel, beschrieb sie später selbst in der Interviewreihe „Alla vi barn från filmerna“: Sie könne sich nicht mehr genau erinnern, ob sie es einmal gesagt habe oder mehrmals, es sei einfach ein schöner, warmer Tag gewesen, an dem sie Lust auf etwas anderes bekam.

1979 stand sie noch einmal vor der Kamera, für eine Nebenrolle in der Miniserie „Katitzi“, die auf der Autobiografie der Romni Katarina Taikon basiert. Ihre Figur hieß dort Gullan, nicht Ida, wie es in manchen weniger sorgfältig recherchierten Texten heißt. An ihrer Seite standen unter anderem Christina Schollin und Janne „Loffe“ Carlsson. Mit dieser Rolle war die Schauspielkarriere von Lena Wisborg im Alter von vierzehn Jahren endgültig vorbei.

Zwei Kinderstars, zwei völlig unterschiedliche Leben

Lena Wisborg (Ida)Jan Ohlsson (Michel)
Alter bei Rollenbeginn5 Jahre9 Jahre
Letzte RolleKatitzi, 1979Mitte der 1970er Jahre
Heutiger WohnortTyresö bei StockholmUppsala
Beruf heuteSchneiderin, DesignerinIT-Techniker
Umgang mit der eigenen VergangenheitSpricht offen darüberGibt keine Interviews mehr

Kontakt zueinander haben die beiden heute nicht mehr. Zu Björn Gustafson, der in den Filmen auf dem Hof Katthult mitspielte, soll Wisborg dagegen weiterhin in Verbindung stehen.

Was die frühere Schauspielerin heute macht

Nach dem Ende ihrer Filmkarriere schlug Lena Wisborg einen ganz anderen beruflichen Weg ein. Sie ließ sich zunächst zur Friseurin und Maskenbildnerin ausbilden, musste diesen Plan wegen einer Allergie aber wieder aufgeben. Danach machte sie eine Ausbildung zur Schneiderin und hat seither in verschiedenen handwerklichen Berufen gearbeitet.

Heute lebt sie in Tyresö, einer Vorstadt von Stockholm, und arbeitet als Schneiderin und Designerin in einem Modeunternehmen in der Region. Öffentliche Auftritte sind selten geblieben. Eine der wenigen Ausnahmen liegt inzwischen mehr als zwanzig Jahre zurück: 2005 zeigte RTL im Rahmen der Show „Die größten TV Hits aller Zeiten“ ein kurzes, in Schweden produziertes Interview mit ihr, nachdem „Michel aus Lönneberga“ in einer Zuschauerabstimmung zur beliebtesten Kindersendung gewählt worden war.

Falschinformationen im Netz

Wer online nach Informationen zu Lena Wisborg sucht, stößt inzwischen auch auf Behauptungen, die schlicht nicht stimmen. Einige Seiten schreiben, sie arbeite heute als Regisseurin am Dramaten in Stockholm oder drehe demnächst ein neues Fernsehdrama. Für keine dieser Aussagen gibt es eine belastbare Quelle, weder in schwedischen noch in deutschen Medien. Solche Texte wirken wie automatisch erzeugte Inhalte, die Lücken in einer eher stillen Biografie mit erfundenen Details füllen.

Dabei liegt die echte Geschichte seit Jahren offen in schwedischen Zeitschrifteninterviews, auch wenn der erste Film inzwischen mehr als fünfzig Jahre zurückliegt.

Zwei Leben nach demselben Film

Jan Ohlsson und Lena Wisborg wurden 1971 durch denselben Film über Nacht berühmt. Der eine möchte mit dieser Kindheit im Rampenlicht bis heute nichts mehr zu tun haben, die andere erzählt bis heute unaufgeregt davon, wie sie mit fünf Jahren zur Ida wurde und mit vierzehn wieder aufhörte, weil ihr danach war.


Quellen und weiterführende Informationen:

Daniela Seiler
Daniela Seilerhttps://apexmagazin.de/
Ich bin Daniela Seiler, Journalistin aus Holtland in Niedersachsen und Gründerin von Apex Magazin. Ich habe Journalismus studiert und danach vier Jahre in lokalen Verlagen gearbeitet, wo ich gelernt habe, dass Berichterstattung dann am stärksten ist, wenn man ihr nicht ausweicht, egal wie unbequem oder komplex das Thema ist. In dieser Zeit habe ich über ein breites Spektrum berichtet: Sportereignisse und Spielerporträts, nationale und internationale Nachrichten, gesellschaftliche Brennpunkte, Prominente und ihre Geschichten, Beziehungen und Hintergründe, Unterhaltung, Technologie, Gaming, Automobil, Wirtschaft und die Trendthemen, die Deutschland gerade wirklich beschäftigen. Kein Ressort war für mich jemals Pflichtprogramm. Ich habe mich für alle interessiert. Am 13. Mai 2026 habe ich Apex Magazin gegründet, weil ich ein Magazin aufbauen wollte, das keine künstlichen Grenzen zwischen Themen zieht und seinem Publikum gegenüber in jeder Zeile ehrlich bleibt. Hier schreibe ich selbst, jeden Tag, gemeinsam mit einem Team aus Redakteuren, Rechercheurinnen und Fachautoren, die denselben Anspruch teilen.

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